Vilnius: Der weiße Glockenturm ist wieder da

Litauens malerische Hauptstadt Vilnius kann ein kulturelles Comeback vermelden. Der zur Basilika St. Stanislaus zählende weiße Glockenturm ist nach einer jahrelangen Restaurierung endlich wieder „ansehnlich“ und wurde von der Stadt für die Besichtigung freigegeben.

Das bedeutet, dass Touristen und Einheimische ab sofort wieder vom weißen Glockenturm der katholischen Kathedrale St. Stanislaus aus die Aussicht auf die imposante und historische Altstadt von Vilnius genießen können. Nach der mehrjährigen Renovierung ist das 58 Meter hohe Wahrzeichen im Zentrum der Hauptstadt für jedermann zugänglich, wie die litauische Tourismusbehörde jüngst erklären ließ. Geöffnet ist der altehrwürdige Turm werktags und samstags von 10.00 bis 19.00 Uhr, im Winter nur bis 18.00 Uhr. Sonntags ist er geschlossen.

Glockenturm als neues Highlight im Stadtzentrum

Der Glockenturm steht mitten in einer ausgedehnten Anlage im Herzen von Vilnius. Diese Anlage umfasst die Kathedrale, den wiederaufgebauten Großfürstenpalast, die Gediminas-Burg und die beiden ehemaligen Arsenale. In den Mauern des ehemaligen Verteidigungsturms, welcher Anfang des 19. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen erhielt, sind die sowohl die alte Stadtuhr als auch eine Glockenausstellung und historische Ansichten des Glockenturms und der Kathedrale zu besichtigen.

Sehenswürdigkeiten

Die Sehenswürdigkeiten in Litauen kann man hier nicht alle aufzählen und beschreiben. Die Reiseveranstalter haben attraktive Angebote. Zum Beispiel können sie einen günstigen Urlaub in Litauen buchen, um die Sehenswürdigkeiten in Litauen zu entdecken.

Die beliebtesten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Litauen sind:
– die aus dem 14. Jahrhundert stammende Wasserburg in Trakai, der historischen Hauptstadt von Litauen in der Nähe von Vilnius, der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 und Handels- und Kulturzentrum in Litauen,
– die Kurische Nehrung, die in die Kulturliste der UNESCO aufgenommen wurde,
– der Berg der Kreuze in Siauliai, die verschiedenen Nationalparks und der beliebteste Ferienort und Kurort Palanga mit seinem Bernsteinmuseum an der baltischen Ostsee.

Des weiteren natürlich die ehemalige Hauptstadt Kaunas mit ihrer Altstadt, und last but not least Klaipeda, drittgrösste Stadt in Litauen, Wirtschaftszentrum und Kulturzentrum von Westlitauen, mit dem nördlichsten eisfreien Hafen an der Ostküste des Baltikums, sind die TOP-Sehenswürdigkeiten in Litauen und Haupt-Attraktionen des Landes.

Kathedrale von Vilnius

Die klassizistische Erzbischöfliche Kathedrale mit dem Kathedralenplatz befindet sich mit vielen weiteren Sehenswürdigkeiten von Vilnius in der historischen Altstadt.

Erzbischöfliche Kathedrale Vilnius
Erzbischöfliche Kathedrale in Vilnius. (c) Stadt Vilnius, Baltikum Tourismus Zentrale

Die Kathedrale ein monumentales Bauwerk, entworfen vom litauischen Architekten Laurynas Gucevicius (Architekt zur Zeit der Polnisch-Litauischen Realunion, siehe auch: Geschichte von Vilnius, bekannteste Vertreter des litauischen Klassizismus) Ende des 18. Jh., steht auf Fundamentresten die aus dem 13. und 14. Jh. stammen. Die drei Standbilder auf dem Gipfel der Kathedrale stammen von Karol Jelski (Bildhauer, Stuckateur und Maler). Während der sowjetischen Besatzung wurden die Originalstatuen leider zerstört und durch S. Kuzma 1997 nachgebaut. Der Glockenturm der Kathedrale Sankt Stanislaus steht wie bei vielen Kirchen im Baltikum, separat.

Die Statue in der Mitte stellt die Heilige Helena mit einem grossen vergoldeten Kreuz dar, an ihrer rechten Seite steht der Heilige Stanislaus, und zur Linken der Heilige Kasimir.

In den Katakomben der Kathedrale wurden die berühmtesten Persönlickeiten des Grossfürstentums Litauen bestattet. Adlige, Bischöfe, und Fürsten, auch der Enkel von Gediminas, (Vytautas der Grosse) und zwei Königinnen (Elzbieta Habsburgaite und Barbora Radvilaite) finden hier ihre letzte Ruhe. Im königlichen Mausoleum unter der Kapelle des Heiligen Kasimir ruht Alexander, Grossfürst von Litauen und König von Polen. Die Katakomben enthalten die ältesten Mauern der Tempel aus dem 13. bis 15. Jh. und das älteste im Litauen gemalte Wandgemälde aus dem 14. Jh.

Gebäude und Geschichte der Universität Vilnius

Der Gebäudekomplex der Universität Vilnius ist ein einzigartiges Ensemble innerhalb der Altstadt von Vilnius. Er entstand im Zeitraum zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert und hat die Hauptstile der damals in Litauen vorherrschenden Architektur bis heute erhalten. Die Universität Vilnius wirkt als eine der wenigen alten europäischen Universitäten noch heute in ihren ursprünglichen Räumen.

Die Entstehung des Universitätskomplexes begann im 16. Jahrhundert in einem Viertel aus gemauerten Gebäuden, das von vier Straßen begrenzt wird: der Universiteto, der Šv. Jono, der Pilies und der Skapo. Bischof Valerianus Protasevicius, treibende Kraft bei der Gründung des Vilniusser Jesuitenkollegs, kaufte für das Kollegium einige Häuser neben seiner Residenz. Eines der zuerst erstandenen Gebäude war der prachtvolle gotische Palast des Sekretärs des Großfürstentums Litauen Mikalojus Jasinskis, von dem der Jesuiten-Provinzial Lorenzo Maggio in einem Brief nach Rom schrieb, es sei der drittschönste Palast in Vilnius (nach der Unteren Burg und dem Bischofspalast), und keines der Kollegien in Italien besitze solch prächtige Gebäude. Hier lagen Auditorien, Mönchszellen und Wohnungen. Die gotischen Gewölbe sind erhalten geblieben; um sie freizulegen, müssten jedoch die Wände verstärkt werden. Von der Universiteto-Straße aus sind die gotischen Fensterumrandungen zu sehen. Im Putz der Wand erkennt man deutlich das Tor, das einmal den Haupteingang zum Kollegium bildete, sowie Spuren zweier früher angrenzender Gebäude.

Nach der Gründung des Kollegiums und der Bibliothek 1570 wurden weitere angrenzende Gebäude erworben. 1571 fiel auch die Johanneskirche mit dem Pfarrhaus an die Jesuiten. Die heutigen Gebäude um den Großen Hof, den Sarbievijus-Hof sowie um die Höfe des Observatoriums und der Bibliothek gehörten dem Jesuitenorden schon seit der Gründung der Universität, während die anderen
Gebäude größtenteils erst viel später hinzukamen. Der Observatoriumshof hieß zu Zeiten der Jesuiten Kollegienhof. Hier liegen die Anfänge des Universitäts-Ensembles. Die Gebäude an der Ost- und Westseite des Hofes wurden nach einem Brand im 17. Jahrhundert mit offenen Bogengalerien ausgestattet, die im 19. Jahrhundert, ebenso wie im Großen Hof, geschlossen wurden.
Es dominiert das Gebäude der Sternwarte mit seinem klassizistischem Anbau, der mit einem Sternzeichenfries verziert ist. Der Anbau, der sich an das barocke Gebäude anlehnt, wurde für schweres astronomisches Gerät ausgelegt. Der ursprüngliche barocke Bau hat heute nur noch einen der beiden ehemaligen prächtigen Observatoriumstürme vorzuweisen; an dem Turm prangt das Familienwappen von Bischof Valerianus Protasevicius. Im südlichen Gebäude hatten die Jesuiten eine Apotheke mit Heilpflanzengarten im Innenhof eingerichtet; Professoren, Studenten und Stadtbürger konnten sich hier behandeln lassen.

Die Geschichte der Vilniusser Universität: Nicht wenige Absolventen der Universität aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts beschreiben in ihren Memoiren, wie die Stadt nach dem Rhythmus der Universität lebte: in der Prüfungszeit nahm die Besucherzahl der Wirtshäuser stark ab, die Straßen leerten sich, das Leben in der Stadt erstarb… In der Geschichte von Vilnius waren die Studenten der Akademie nicht nur für ihr Wissen, ihre Kreativität und Originalität bekannt, sondern auch für ihre Streiche, ihre Schelmereien und ihren unruhigen Geist. Die Bürger beklagten sich wiederholt über sie beim Rektor, bei der Obrigkeit und sogar beim König.

Die Studentenschaft war zu allen Zeiten eine besondere Gesellschaftsschicht, die auf soziale und politische Veränderungen aktiv reagierte. Die Studenten der Universität Vilnius machten im ganzen russischen Reich von sich reden, als die Zarenregierung 1823 begann, Mitglieder geheimer Organisationen zu verfolgen und festzunehmen. Ein ehemaliger Student der Universität schreibt in
seinen Erinnerungen von russischen Soldaten, die nach Vilnius kamen und Passanten nach der schrecklichen Universitäts-Festung fragten, wo sich 40.000 Aufständische verschanzt hätten…

Heute ist die Universität Vilnius nicht nur Litauens größtes Zentrum für Wissenschaft und Lehre mit großem Einfluss auf das kulturelle Leben der Stadt Vilnius, sondern auch eine der touristischen Sehenswürdigkeiten, Hauptattraktion und Pflichtbesuch für jeden offiziellen Gast der Stadt. Auch als Ort für Großveranstaltungen erfreut sich das Ensemble der Universität bei den Vilniusser Bürgern großer Beliebtheit. Es ist Schauplatz des Festivals „Frühling der Poesie“, der Konzerte des Vilniusser Musikfestivals, Aufführungen und Festlichkeiten des internationalen Folklorefestivals „Skamba, skamba kankliai“ und viele andere Feste und Festivals.

Universität von Vilnius

Universität von Vilnius
Universität von Vilnius neben dem Präsidentenpalast. (c) Stadt Vilnius, Baltikum Tourismus Zentrale

Die Universität Vilnius ist die älteste und größte Hochschule Litauens, eine Quelle des wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritts sowohl für Litauen als auch für die benachbarten Länder. Diese Einrichtung bildet schon seit über 400 Jahren die Bildungselite Litauens heran. Viele Persönlichkeiten, die sowohl in Litauen als auch in Europa und der ganzen Welt berühmt wurden, haben hier studiert und gearbeitet: der Dichter Mathias Casimirus Sarbievius, die Ärzte Józef Frank und Johann Peter Frank, der Dichter Adam Mickiewicz, der Historiker Simonas Daukantas sowie der Schriftsteller und Nobelpreisträger Czesuaw Miuosz.

Die Universität Vilnius ist zu Recht stolz auf ihre einzigartige Architektur, die alte Bibliothek und die Museen mit ihren umfangreichen Wissenschafts-, Kultur- und Kunstschätzen. Viele Stücke sind von unschätzbarem Wert für die Kultur Litauens, Europas, ja der Welt. Man denke nur an die einzige in Litauen befindliche Ausgabe des ersten litauischen Buches, des „Katechismus“ von Martynas Mažvydas. Nicht von ungefähr steht das Ensemble der Universität Vilnius im Brüsseler Park „Mini Europa“, wo alle Länder der EU ihre berühmtesten Architekturdenkmäler vorstellen, stellvertretend für Litauen. Nachfolgend die Gebäude und die Geschichte der Universität.

Präsidentenpalast

Präsidentenpalast Vilnius
Präsidentenpalast in Vilnius neben der Universität. (c) UAB ANTILE

Der klassizistische Präsidentenpalast in Vilnius verfügt über eine lange, glorreiche und wechselhafte Geschichte:

Bereits im 16. Jh. war hier die Residenz der Gostautas Familie (Grossfürstenfamilie von Litauen). Im Jahre 1543 ging der Palast in den Besitz der Bischöfe von Vilnius über, während des 17. und 18. Jh. brannten einige Teile des Palastes ab und er wurde durch verschiedene Kriege und innere Aufstände verwüstet.

Als Litauen an das Zarenreich angeschlossen wurde, war hier der Wohnsitz verschiedener Fürsten und Adlige aus der Zeitgeschichte. Zar Pawel I. wohnte im prunkvollsten Palastteil und hatte erlesene Gäste wie u.a. den französischen König Loius XVIII. und August Poniatowski (König von Polen und Großfürst von Litauen).

Der Palast war auch ab dem 19. Jh. der offizielle Sitz des russischen Gouverneurs, Zar Alexander I. und Napoleon Bonaparte waren die bekanntesten Persönlichkeiten die im heutigen Präsidentenpalast übernachteten. Die letzte Rekonstruktion erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jh. nach einem Entwurf des berühmten russischen Architekten W. P. Stassow (Baumeister des Klassizismus, war maßgeblich an der Gestaltung von Sankt Petersburg beteiligt).

Im Jahr 1997 wurde das Gebäude restauriert, hier arbeitet die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė und ihre Kanzlei. Täglich um 18 Uhr findet der Wechsel der Ehrenwache statt. Jeden Samstag finden kostenlose Führungen statt, wo sie nicht nur die historische Innenarchitektur bestauenen können, sondern auch das Arbeitszimmer der Präsidentin (Geschichte der litauischen Präsidenten). Der Präsidentenpalast in Vilnius wird im Alltag meistens abgekürzt „Präsidentur“ genannt. Adresse: S. Daukanto Platz 3, schräg gegenüber der Vilnius Universität.

Mindaugas Denkmal

Mindaugas Denkmal in Vilnius
Das Mindaugas Denkmal in Vilnius vor dem Nationalmuseum. (c) UAB ANTILE

Etwa 150 Meter von der Kathedrale entfernt befindet sich der Park mit Nationalmuseum. Vor dem Nationalmuseum steht das Mindaugas Denkmal. Mindaugas (* um 1203; † 12. September 1263) war der erste Grossfürst von Litauen und der einzige litauische gekrönte König (auf Veranlassung von Papst Innozenz IV). Mindaugas hatte die litauischen Gebiete zu einem einheitlichen Staat zusammengeführt und für Litauen um internationale Anerkennung gekämpft.

Das Denkmal für König Mindaugas wurde am 6. Juli 2003 (Nationalfeiertag in Litauen) zum 750. Jahrestag der Krönung von Mindaugas enthüllt. Der Denkmalsockel ist mit Symbolen des alten baltischen Kalenders verziert, die in den alten Schriften zu finden sind. König Mindaugas wurde 1263 von seinem Schwager Daumantes und seinem Neffen Treniota ermordet.

Es existiert eigentlich noch ein „König Mindaugas II.“, Wilhelm (II.) Herzog von Urach, Graf von Württemberg. Dieser wurde vom litauischen Landesrat (Taryba) im Juli 1918 zum König von Litauen gewählt (geplant war die Bildung eines Königreiches Litauen) und sollte als solcher den Namen Mindaugas II. tragen. Es kam jedoch nicht zu einer Annahme der Wahl, bis im November 1918 der Landesrat die Wahl widerrief.

Mindaugas ist in Litauen einer der beliebtesten Vornamen, er hielt sich bis 2002 sogar auf Platz 1 bei der Namensvergabe.

Geschichte von Vilnius

700 Jahre Geschichte von Vilnius im Überblick

Die Geschichte von Vilnius, Hauptstadt von Litauen, ist lang und wechselhaft. Die Geschichte der Stadt beginnt 1323 während der Regierungszeit des Grossfürsten Gediminas, und endet mit dem Höhepunkt der Ernennung von Vilnius zur Kulturhauptstadt von Europa 2009. Knapp 700 Jahre Geschichte von Vilnius im Überblick:

Im Jahre 1323 während der Regierungszeit des Grossfürsten Gediminas (geboren 1275 – verstorben 1341, neben Mindaugas und Vytautas zählt Gediminas zu den großen Regenten in der litauischen Geschichte) wird Vilnius als Hauptstadt von Litauen erstmalig urkundlich erwähnt. 1387 wird Vilnius das Stadtrecht durch den damaligen Grossfürst Jogaila (1348 – 1434, christianisiert Litauen, schliesst eine Union mit dem Königreich Polen, von 1386 bis 1434 König von Polen) erteilt.

Im 14. und 15 Jh. blüht Vilnius als eines der Handel-, Industrie- und Kulturzentren in Osteuropa auf, Litauen wird mit seinen angeschlossenen Ländern zu einem der grössten Staaten in Europa:
1495 werden in Vilnius die ersten Goldschmiede- und Schneiderzünfte gegründet. 1501 wird das Wasserleitungssystem von Vilnius in Betrieb genommen. 1522 wird durch Franciskus Skoryna die erste Druckerei in der Stadt gegründet, Vilnius wird im Verlauf der nächsten Jahre zu einem der bekanntesten Zentren des Buchdrucks in ganz Europa. 1569 verliert Vilnius an die Lubliner Union (Warschau wird Zentrum des neuen riesigen vereinten Reiches) seinen Einfluss als verwaltende Hauptstadt. Es wird ein gemeinsamer litauisch-polnischer Staat gegründet. 1579 wird die von Jesuiten gegründeten Schule in Vilnius der Status als Universität zuerkannt. Die Universität in Vilnius wird zum wichtigsten Kulturzentrum der Region.

1795 annektiert Russland (bei der Dritten Teilung der Republik) Litauen, viele der Bewohner von Vilnius, welches nun ein russisches Gouvernement ist, werden ermordet oder in östliche Regionen des russischen Reiches vertrieben.

In den Jahren 1830 / 1831 vollzog sich der Nationale Befreiungsaufstand der Völker gegen die Verwaltungsmacht Russland, welcher durch die Politik der russischen Willkürherrschaft und Unterdrückung ausgelöst wurde. Nach der Niederschlagung des Aufstandes im Jahre 1831 schliesst die russische Verwaltung die Universität Vilnius, die katholischen Kirchen werden in orthodoxe umgewandelt und die vorhandenen Klöster zu Kasernen umfunktioniert oder geschlossen. 1869 wird durch die Industrialisierung die Bahnstrecke von Sankt Petersburg über Warschau bis Vilnius verlegt, eine Erzgiesserei und Tabakfabrik gegründet und die erste Bierbrauerei in Vilnius eröffnet. 1886 bis 1902 wird Vilnius zum Zentrum der nationalen Wiedergeburt und im Jahre 1904 das (1864 verhängte) litauische Presseverbot aufgehoben.

1918 wird am 16. Februar der unabhängige Staat wiederhergestellt. 1920 besetzt Polen das Vilnius-Gebiet, die neue Hauptstadt ist nun Kaunas. 1939 / 1940 wird die Unabhängigkeit von Litauen mit der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Paktes zwischen der damaligen Sowjetunion und Deutschland aufgehoben. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wird die Altstadt von Vilnius auch getroffen, doch viele der Monumente bleiben vom Bombenhagel verschont. 1940 bis 1953 führt die russische Besatzungsmacht Massenvertreibungen durch, Litauen verliert dadurch rund ein Drittel seiner Bewohner. 1945 wird Litauen Mitglied der Vereinten Nationen. Für die Mitgliedschaft sorgen ausgewanderte Staatsmänner des ehemaligen litauischen Staates. Nach dem Krieg besetzte die Sowjetunion Litauen und etablierte dort gegen den Widerstand der Bevölkerung eine Sowjetrepublik. Diese Besetzung wurde vom Westen nie anerkannt, aber hingenommen.

1990 erklärte sich Litauen, im Zuge der Perestrojka, zum souveränen Staat, stieß hierbei aber auf den bewaffneten Widerstand der sowjetischen Regierung. Am 11. März 1990 erklärt der oberste Rat die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens.

1991 wird Litauen als unabhängiger Staat Mitglied der Vereinten Nationen, und erlangte (wie auch die Nachbarländer Lettland und Estland) nach einem Referendum am 9. Februar 1991 seine Unabhängigkeit wieder. Im März 2004 tritt Litauen der NATO und im Mai der Europäischen Union bei. Die Stadt Vilnius ist nun nach einer langen und wechselhaften Geschichte Hauptstadt eines der EU- und NATO-Mitgliedsstaaten.

2009 wird Vilnius Kulturhauptstadt von Europa, für Litauen, das im Jahr 2009 auch den 1000. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung feiert, ist es eine grosse Möglichkeit Vilnius als Kulturhauptstadt und das Land Litauen (nicht nur in Europa) vorzustellen.

Litauen unter sowjetischer Besatzung

Zu Beginn des 2. Weltkrieges brach die eigenständige Entwicklung von Litauen ab. In dem am 23. August 1939 unterzeichneten Molotov-Ribentrop-Pakt mit seinen Zusatzprotokollen, in denen die Sowjetunion und Deutschland Europa aufteilten, wurde Litauen zunächst der deutschen Einflusszone zugeschrieben. In einem weiteren Vertrag einen Monat später nach der Zerschlagung von Polen fiel Litauen an die Sowjetunion. Diese gab Litauen zwar Vilnius zurück, okkupierte das Land aber am 15. Juni 1940 mit dem Einmarsch von 150.000 Soldaten der Roten Armee.

1940-1941 wurde das Land sowjetisiert. Mit der Verstaatlichung von Grund und Boden, Fabriken und Banken wurden die wirtschaftlichen Grundlagen zerstört. Durch sowjetische Repression und Deportationen verlor Litauen rund 35.000 Menschen. Im Sommer 1941 besetzte Nazideutschland Litauen. Der Holocaust an die litauischen Juden begann, dem 200.000 litauische Juden zum Opfer fielen. Litauer wurden nach Deutschland deportiert. Im Sommer 1944 marschierten wieder die Sowjettruppen in Litauen ein.

Der Zeitraum zwischen 1944 und 1953 waren die Jahre des harten stalinistischen totalitären Regimes und des bewaffneten Widerstandes gegen die Sowjetmacht. Die Sowjetmacht zwang die Bauern in die Kolchosen, im Zuge der Massenrepressionen wurde rund eine Viertel Million litauischer Bewohner, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung oder ihrer sozialen Herkunft nach Sibirien, in Lager und Gefängnisse deportiert. In Widerstandskämpfen gegen die Sowjetmacht starben rund 20.000 Freiheitskämpfer.

Nach dem Tod von Stalin wurde das Regime gemäßigter, aber die Russifizierung wurde weiter fortgesetzt, die nationale Kultur unterdrückt und die katholische Kirche verfolgt. Eine der bekanntesten Protestaktionen gegen das Sowjetregime war die Selbstverbrennung von Romas Kalanta in Kaunas 1972. Diese Tat markiert den Beginn des antisowjetischen passiven Widerstandes. In den 70er Jahren gab es eine Untergrundpresse, die litauische Helsinki-Gruppe setzte sich für die Menschenrechte ein, die litauische Freiheitsliga erklärte die Unabhängigkeit zu ihrem Ziel. Die Veränderungen in der Sowjetunion stärkten auch die politischen Aktivitäten in Litauen.

1988 entstand die Bewegung „Sąjūdis“. Sie formulierte ein Programm für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Bei Massenkundgebungen wurde 1989 der Ruf nach Freiheit laut. Am 23. August 1989 brachten die drei baltischen Republiken im Gedenken an den Molotov-Ribentrop-Pakt diesen Wunsch solidarisch mit einer Menschenkette zum Ausdruck. Rund 2 Millionen Menschen hielten sich gleichzeitig an den Händen gefasst und bildeten den „Baltischen Weg“ von Vilnius bis Tallinn.
Am 11. März 1990 erklärte Litauen als erstes der drei Baltischen Staaten und der Sowjetrepubliken überhaupt seine Unabhängigkeit. Am 13. Januar 1991 versuchte die Sowjetunion mit Waffengewalt Litauen von seinen Zielen abzubringen. 14 Personen kamen im Widerstand gegen Sowjettruppen ums Leben, aber die Staatlichkeit Litauens wurde bewahrt.

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Quellenangabe

Das politsche Geschehen in Litauen in der Zwischenkriegszeit

Die eigentliche staatliche Entwicklung in Litauen setzte im November 1918 mit der Bildung einer Regierung ein. Im Frühling 1919 waren im Prinzip alle Regierungs- und Verwaltungseinrichtungen gebildet, die kommunale Selbstverwaltung nahm ihre Arbeit auf. Am 4. April 1919 wurde Antanas Smetona zum ersten Staatspräsidenten gewählt.

Die Jahre 1919 bis 1920 waren die Zeit des Kampfes um die litauische Unabhängigkeit. Die sowjetrussischen Bolschewiki erkannten den litauischen Anspruch auf einen unabhängigen Staat nicht an. Sie drangen nach Litauen vor und besetzten Vilnius. Von Litauen gebeten, halfen deutsche Soldaten die bolschewistischen Truppen zu stoppen. Bis August 1919 waren die Bolschewiki aus Litauen herausgedrängt. Durch kriegerische Auseinandersetzungen mit Polen verlor Litauen den östlichen Teil des Territoriums und die Hauptstadt Vilnius. Kaunas wurde zur provisorischen Hauptstadt des Landes. Abgesehen von den schmerzhaften territorialen Verlusten konnte Litauen seine Unabhängigkeit bewahren.

Die Siegermächte des 1. Weltkrieges betrachteten Litauen als Teil der früheren deutschen Einflusszone und zögerten mit der Anerkennung Litauens als eines unabhängigen Staates. Erst nach der Schließung des Friedensvertrages mir Sowjetrussland und nach der erfolgreichen Beendigung der Unabhängigkeitskämpfe wurde Litauen durch andere Staaten der Welt anerkannt. Bis 1922 nahmen dementsprechend die Staaten der Welt diplomatische Beziehungen mit Litauen auf.
Die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen des Staatslebens legte zwischen 1920 und 1922 der Konstituierende Seimas fest. Er verabschiedete eine demokratische Verfassung mit garantierten Bürger- und Freiheitsrechten. Das Gesetz über die Bodenreform schuf einen stärkeren Bauernstand und die Grundlage dafür, dass Litauen sich zu einem modernen Agrarstaat entwickelte. Das Gesetz zur Einführung des Litas als nationale Währung und eine gut durchdachte Finanzpolitik machte den Litas zu einer der stabilsten Währungen in Europa während der gesamten Zwischenkriegszeit.

1923 nutzte die Regierung eine günstige internationale Lage, um Klaipeda und die umliegenden Gebiete dem eigenen Territorium anzuschließen. Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages stand das Gebiet unter französischer Verwaltung. Es gab einen Aufstand, der zur Anschließung des Gebietes an Litauen verhalf. Von 1923 bis 1939 gehörte Klaipėda und das umgebende Gebiet Litauen an.

Als bei den Parlamentswahlen 1926 linksorientierte Kräfte die Mehrheit errangen, löste dies die Unzufriedenheit rechter politischer Kräfte aus. Die kritischste Position gegenüber der linken Regierung nahm die Litauische Nationale Union ein. Unterstützt wurde sie von einem Teil der Offiziere, auf deren Initiative am 17. Dezember 1926 ein Umsturz organisiert wurde. Das Parlament wurde aufgelöst, neue demokratische Parlamentswahlen wurden nicht mehr durchgeführt. So endete die demokratische Phase Litauens, ein autoritäres Regime mit Antanas Smetona an der Spitze übernahm die Macht (und hatte das Präsidentenamt bis zur Sowjetischen Okkupation 1940 inne).

Bis 1938 unterhielt Litauen wegen der Annektion von Vilnius keine diplomatischen Beziehungen zu Polen. 1938 nutzte Polen einen Grenzzwischenfall, um Litauen ultimativ zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen, zur Öffnung der Grenze für den Transport zu zwingen. Außerdem sollte Litauen endgültig alle Ansprüche auf Vilnius und die umgebenden Gebiete fallen lassen. Um das Ultimatum zu verstärken, zog Polen an der Grenze Truppen zusammen und drohte das „Problem Litauen“ mit Gewalt zu lösen. Litauen blieb nichts anderes übrig, als das Ultimatum zu akzeptieren und diplomatische Beziehungen zu Polen aufzunehmen. In der neuen Verfassung vom 1938 wurde Vilnius als Hauptstadt von Litauen festgeschrieben.

Auch das Verhältnis zu Deutschland verschlechterte sich. Im März 1939 forderte Deutschland die Rückgabe von Klaipeda und der umliegenden Territorien und drohte mit dem Einsatz von Waffengewalt. Auch in diesem Fall beugte sich Litauen dem Ultimatum und übergab das Gebiet.

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