Die Highlights des litauischen Song-Festivals #LT100 im Juli 2018

Anlässlich der 100-jährigen Unabhängigkeit von Litauen finden in diesem Jahr unzählige Feierlichkeiten statt. Dazu gehört auch das litauische Song-Festival, das unter dem Hashtag #LT100 noch bis zum 6. Juli zahlreiche Events anbietet. Freitag, der 6. Juli 2018 ist dabei der wichtigste Tag, denn zu den Konzerten und Festivitäten werden bis zu 100.000 Gäste erwartet. Insgesamt 12.000 Performer tragen an diesem Tag dazu bei, die Events im Vingis-Park unvergesslich zu machen.

Zu den bisherigen Highlights gehörte der Folklore-Tag am 3. Juli, der litauischen Staatsmännern gewidmet war. Insbesondere Jonas Basanavičius, der am 16. Februar 1918 die Unabhängigkeitsakte für Litauen unterzeichnete, wurde als Held gefeiert.

Am Mittwoch, den 4. Juli, wurde auf den Hügeln des Kalnai-Parks ein symbolisches Roggen-Feld errichtet, das von 20 schwangeren Frauen durchquert wurde, um Fruchtbarkeit und gute Ernte zu beschwören.

Laut Organisationsteam des #LT100-Festivals nehmen insgesamt etwa 36.000 Künstler von Sängern über Performern bis hin zu Chören an den Feierlichkeiten teil und machen diese zu einem in der Größe bisher in Litauen ungesehenen kulturellen Highlight.

Die Zuschauerzahlen übersteigen die Anzahl der Teilnehmenden etwa um das 10-fache. Aus Litauen selbst, aber auch aus vielen benachbarten Ländern reisen die Schaulustigen an, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Wer neben litauischer Musik auch traditionelle Kostüme, alte Bräuche und regionale Spezialitäten bewundern möchte, hat noch bis zum 6. Juli Zeit, um sich nach Vilnius oder Kaunas zu begeben. Dies ist eine ganz besondere Reisezeit für das baltische Land, da es sich von seiner spektakulärsten Seite zeigt.

#LT100: Song-Festival 2018 anlässlich der Unabhängigkeitsfeier

2018 ist ohnehin ein unvergessliches Jahr für Litauen, denn seit inzwischen 100 Jahren ist das baltische Land von Russland unabhängig. Zu den Feierlichkeiten, die dazu beitragen, 2018 noch spezieller zu machen, gehört auch das Litauische Song Festival. Dieses findet alle vier Jahre statt und wird dieses Jahr natürlich als Sonder-Edition besonders toll gestaltet.
Live Musik Festival
Vom 30. Juni bis zum 6. Juli wird in Vilnius und Kaunas im Rahmen dieses Liederfests gefeiert und gesungen. Dabei darf natürlich die Nationalhymne nicht fehlen, aber die teilnehmenden Künstler bieten auch unzählige andere Highlights. Litauische Volkstänze, die besten Sänger des Landes, ein Chor aus 15.000 Stimmen und viele weitere Attraktionen locken zahlreiche Besuchers ins Land.

Auch litauische Bräuche und Traditionen, wie etwa die von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichneten Webtechniken, dürfen beim Song and Dance Festival 2018 nicht fehlen. Besucher können wunderbare Kostüme, mittelalterliche Gerichte, Kunstwerke aller Art und unterschiedlichste Vorführungen anschauen und dabei ganz in die litauische Kultur eintauchen. Die landestypische Gastfreundlichkeit ist natürlich zentral für das Festival, auf dem Einheimische und Touristen gemeinsam tanzen und staunen.

Noch dazu erhält der beliebte Vingis Park in Vilnius, Litauens größter Park, anlässlich des Festivals viele Investitionen. Zukünftig werden Brunnen, moderne Lichtspiele, zusätzliche Bänke, ein Strand, ein Outdoor-Kindergarten sowie ein Bootsverleih den Park noch attraktiver machen.

Die Festivalwoche ab Ende Juni ist daher besonders gut für eine Rundreise durch Litauen geeignet. Für jedes Familienmitglied ist der passende Programmpunkt dabei und es gibt keine bessere Möglichkeit, um das Land von seiner besten Seite kennenzulernen.

Musiksommer in Litauen: Startschuss mit dem Kaunas Jazz Festival

Mit dem dieses Wochenende in der zweitgrößten Stadt Litauens stattfindenden Kaunas Jazz Festival wird nicht nur der litauische Musiksommer voller Events und Festivals eingeläutet, der Festivalsonntag fällt dieses Jahr auch mit dem „Internationalen Tag des Jazz“ am 30. April zusammen.

Jazz auf der Straße

Das jährlich stattfindende Festival wurde 1991 von einer kleinen Gruppe litauischer Jazz-Enthusiasten ins Leben gerufen. Seitdem hat es die Jazz- und Kulturszene Litauens stark geprägt, welche bis dato aus ökonomischen und politischen Gründen immer noch limitiert war. Mittlerweile hat das Jazzevent internationalen Bekanntheitsgrad erlangt: Musiker aus über 20 Staaten treten jedes Jahr in den über 10 verschieden Spielorten in der ganzen Stadt auf. In seiner 27-jährigen Geschichte traten bereits Szenegrößen wie Elvin Ray Jones, Al Di Meola und Charles Lloyd auf.

Und auch dieses Jahr verwandelt sich die 30.000 Einwohner Stadt Kaunas vom 27. bis 30. April in einen bunten Ort der Musik und kultureller Vielfalt. Neben den Hauptspielorten, die aus Open Air Bühnen und Konzerthallen bestehen, finden viele Konzerte auch in den Kirchen und Synagogen von Kaunas statt. Auf der Laisves Allee, die während des Festivals zur „Jazzstraße“ transformiert, werden außerdem kleine kostenlose Konzerte und Kunstaktionen den Jazzliebhabern geboten. Star des diesjährigen Festivals ist die britische Soul und Rhythm and Blues Sängerin Laura Mvula, die am Abschlussabend die Festivalbesucher in ihren Bann ziehen wird.

Doch das Kaunas Jazz Festival ist nicht das einzige Musikhighlight Litauens: Tatsächlich gibt das Event in Kaunas den Startschuss für einen Sommer voller Musik – ein Grund mehr für eine Reise in den baltischen Staat. Das maritime Klima sorgt für einen warmen Sommer. In der Hauptstadt Vilnius findet beispielsweise am 19. Mai der Street Music Day statt und füllt die Straßen mit Kunst und Musik. Die Blues Nights „Bliuzo Naktys“ locken immer am ersten Juliwochenende Musikbegeisterte an den Lūkstas-See in Varniai. Litauens größtes Sommerfestival, das Christopher Summer Festival, startet am 1. Juli mit einem Konzert im Botanischen Garten der Universität Vilnius und endet erst zwei Monate später Ende August. Während des Festivals finden 50 Konzerte in und um die Hauptstadt statt.

Street Art: Die litauischen Straßen sprechen lassen

Litauen ist für seine künstlerische Ader bekannt. Vor allem hinsichtlich Volkskunst, Skulpturen und den bekannten Webereien. Was jedoch deutlich weniger bekannt ist, ist die äußerst begabte Street Art Szene in Litauen. Vor allem in Vilnius und Kaunus sind die Szenerien an Hauswänden, Mauern und Straßenwänden immer vielfältiger geworden. Was manch einer als Schmiererei, Sachbeschädigung oder einfach Vandalismus bezeichnen würde, ist in Wahrheit eine Untergrund-Kunstszene, die die Straßen zum Sprechen bringen möchte. Sie wollen die Fußgänger mit ihren riesigen Graffitis zum Innehalten und Nachdenken bringen. Zum Kommunizieren mit ihrer Umgebung.

Street Art Graffiti

Street Arts und Graffitis bestimmen das Bild vieler Städte.

Street Art in Kaunas

Das Straßenbild von Kaunas wird von mehreren großen Murals geprägt: Wohl am bekanntesten ist das Mural „The old Wiseman“, das von dem Kollektiv Gyva Grafika stammt. Auf 440 Quadratmetern ist ein alter Mann in rotem Schlafanzug, schwarzer Brille und riesiger Pfeife zu sehen.

Wo früher mal eine Brieftaubenstation stand, von der aus etliche Nachrichten in Kriegszeiten in die ganze Welt verschickt wurden, thront nun ein Mural namens „He and She“ von der Künstlerin Gražvydos Andrijauskaitės, das eine männliche und weibliche Taube auf farbenfrohem, gemustertem Hintergrund darstellt. Es soll ein Symbol für Freundschaft und Einheit sein und heitert nebenbei das allgemeine Straßenbild auf. Ebenso berühmt ist das Abbild einer Kinderzeichnung, die ein buntes Pferd zeigt, drum herum farbenfrohe Süßigkeiten und Blumen. Diese Kinderzeichnung nimmt eine gesamte Hauswand ein.

Street Art Festival

2013 bekam diese neuartige Kunstform mit schlechtem Ruf endlich die Anerkennung, die sie auch verdient: Es fand zum ersten Mal das Vilnius Street Art Festival statt, an dem unterschiedliche Künstler auf legale Weise ihre großflächigen Kreationen anbringen und ausstellen konnten. Das Festival soll seitdem jedes Jahr stattfinden und erfreut sich großer Beliebtheit. Street Art gibt es in Litauen nicht nur in Form von Graffiti: Auch kleine Skulpturen, die an Wänden angebracht sind, Blumentöpfe, die kreativ umgestaltet wurden oder Gegenstände, die in Kunstwerke eingebaut wurden, lassen die litauischen Straßen mehr erzählen von der Geschichte und Gedanken der Menschen, dir dort leben.

Das Kloster Pazaislis: eine architektonische Perle Litauens

Am östlichen Rand der Stadt Kaunas befindet sich mit dem Kloster Pazaislis eine der schönsten barocken Kirchenanlagen Litauens. Erbaut wurde die Anlage in den 1670er Jahren von den Kamaldulenser Mönchen, deren Gründung auf den heiligen Romuald von Camaldoli zurückgeht.

Der Benediktinermönch verfolgte die Absicht, die Traditionen des Eremitentums mit der mönchischen Lebensform zu verbinden. Der Orden entstand schließlich aus dem Zusammenschluss mehrerer Einsiedeleien und Klöster, die zuvor unabhängig waren.

So entstand das Kloster Pazaislis

Castle Kaunas

Ebenfalls sehenswert: Die Burg Kaunas.

Der damalige litauische Kanzler wünschte in Kaunas einen Kirchenneubau, weil er der Nachwelt ein prunkvolles Vermächtnis hinterlassen wollte. Mit der Klostergründung beauftragte er die Kamaldulenser. Fertiggestellt wurde der barocke Prachtbau anno 1672.

Imposant ist vor allem der streng symmetrische Zentralbau. Der sechseckige Kuppelbau wird in einen öffentlichen Teil im Westen und den östlichen Teil untergliedert, welcher den eremitisch lebenden Mönchen vorbehalten ist. Durch die konkave Konstruktion und die seitlichen Türme, welche hoch aufragen, erweckt der Bau einen besonderen Einblick von Leichtigkeit.

Sehenswert ist auch die Fassade, die sich in ein mächtiges Gesims und einer Balustrade aus Stein aufgliedert. Für die Gestaltung von Fassade und Türmen zeichnete der deutsche Baumeister Michael Wollscheidt verantwortlich.

Äußerst imposant sind die von Michelangelo Palloni gestalteten Fresken. Als besonderes Highlight im Inneren der Kirche gilt das Bild der „Heiligen Jungfrau Maria mit Kind“, ein Geschenk von Papst Alexander VII. Dieses Werk galt schon während des 17. Jahrhunderts als wundertätig und wurde später auch von den orthodoxen Mönchen mit nach Russland genommen, bevor es wieder ins Kloster zurückkehrte.

Kaunas als Kulturhauptstadt Europas 2022 nominiert

Die zweitgrößte Stadt Litauens wurde als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2022 nominiert. Der Titel wird jedes Jahr von der Europäischen Union an mindestens zwei Städte vergeben.

Kaunas, am Zusammenfluss von Memel und Neris gelegen, hat als Kulturhauptstadt Europas einiges zu bieten. Die Innenstadt verbindet mittelalterliche Altstadt mit neueren Bauten aus dem 19. Jahrhundert. In der über 2,5 km langen Fußgängerzone finden sich Cafés, Galerien und Boutiquen. Der historische Rathausplatz ist voll mit Sehenswürdigkeiten wie der Peter-und-Paul-Kathedrale, der Jesuitenkirche oder dem historischen Rathaus. Das Teufelsmuseum beheimatet eine weltweit einzigartige Sammlung von Teufelsfiguren. In der Nähe des Rathausplatzes, malerisch an der Neris gelegen, ist die Ruine der Burg Kaunas auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die kulturelle Vielfalt Europas feiern

Die Hauptstadt Litauens, Vilnius, hatte den Titel bereits im Jahr 2009 inne. Die Ernennung der Kulturhauptstädte soll den Reichtum des europäischen kulturellen Erbes feiern und deutlich machen. Außerdem soll ein Beitrag zu intereuropäischer Verständigung, Kulturaustausch und Verständnis geleistet werden. Ziel ist es, dass Europa sich auf seine gemeinsamen Werte besinnt und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entsteht. Die ausgewählten Städte stellen ein Programm zusammen, das auch Anwohner und Nachbarn intensiv mit einbeziehen soll. Die aktuellen Kulturhauptstädte des Jahres 2017 sind Aarhus in Dänemark und Paphos auf Zypern.

Sehenswürdigkeiten

Die Sehenswürdigkeiten in Litauen kann man hier nicht alle aufzählen und beschreiben. Die Reiseveranstalter haben attraktive Angebote. Zum Beispiel können sie einen günstigen Urlaub in Litauen buchen, um die Sehenswürdigkeiten in Litauen zu entdecken.

Die beliebtesten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Litauen sind:
– die aus dem 14. Jahrhundert stammende Wasserburg in Trakai, der historischen Hauptstadt von Litauen in der Nähe von Vilnius, der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 und Handels- und Kulturzentrum in Litauen,
– die Kurische Nehrung, die in die Kulturliste der UNESCO aufgenommen wurde,
– der Berg der Kreuze in Siauliai, die verschiedenen Nationalparks und der beliebteste Ferienort und Kurort Palanga mit seinem Bernsteinmuseum an der baltischen Ostsee.

Des weiteren natürlich die ehemalige Hauptstadt Kaunas mit ihrer Altstadt, und last but not least Klaipeda, drittgrösste Stadt in Litauen, Wirtschaftszentrum und Kulturzentrum von Westlitauen, mit dem nördlichsten eisfreien Hafen an der Ostküste des Baltikums, sind die TOP-Sehenswürdigkeiten in Litauen und Haupt-Attraktionen des Landes.

Mikalojus Konstantinas Ä

Mikalojus Konstantinas Ciurlionis und die litauische Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil II.

Seine Prägung als Künstler erfuhr Ciurlionis im Umkreis der polnischen Kunstbewegung Junges Polen, wo er dem Einfluss des Neoromantismus, Symbolismus und des Art Nouveau ausgesetzt war. Er vertiefte sich in den Intuitivismus, die Theosophie, den Okkultismus, die Esoterik, die Kosmogonie und die experimentelle Psychologie sowie in die alten Religionen und Kulturen des Ostens – Ideen, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa verbreitet waren. Seine frühen Werke sind gezeichnet von der Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten Ikonographie des Symbolismus, doch erreichte er bald seine künstlerische Reife und schuf seine eigentümliche, individuelle Bilderwelt.

1907 zog Ciurlionis nach Vilnius und schloss sich sogleich der litauischen Bewegung für die nationale Wiedergeburt an. In Vilnius debütierte er 1907 mit seinen Werken in der Ersten litauischen Kunstausstellung und wurde zum aktiven Mitglied des Litauischen Kunstvereins, einer im selben Jahr gegründeten Organisation der professionellen nationalen Kunst. Der Verband vereinigte die im Ausland lebenden litauischen Künstler und veranstalte bis zum Ersten Weltkrieg jährliche Ausstellungen ihrer Kunst.

Die jungen Künstler zeigten von litauischer Thematik geprägte Werke: bäuerlicher Alltag, Volkstypen und litauische Landschaften. Ciurlionis organisierte in Vilnius nicht nur Veranstaltungen des Litauischen Kunstvereins, er stellte auch selbst aus, arbeitete als Leiter eines litauischen Chors und arbeitete viel an seinem künstlerischen Werk. Hier in Vilnius begegnete er seiner zukünftigen Ehefrau, der Schriftstellerin Sofija Kymantaite. Auch sie war Mitglied der litauischen Bewegung für nationale Wiedergeburt. Sie war es übrigens, die Ciurlionis die litauische Sprache beibrachte, denn der hatte von klein auf nur polnisch gesprochen und geschrieben.

Obwohl die Vilniusser Periode eine besonders fruchtbare und aktive Zeit in Ciurlionis’ Leben war, zog es den Künstler doch in die Metropolen der Kunst und nach der Anerkennung, die er sich dort erhoffte. 1908 übersiedelte Ciurlionis nach Sankt Petersburg, wo er mit kurzen Unterbrechungen bis 1909 lebte.

In Sankt Petersburg malte er viel, seine Bilder wurden dekorativer und ornamentreicher, ihre Farben kräftiger. Doch das Publikum und die meisten Kunstkritiker verkannten sein Werk, die Sammler waren nicht am Erwerb seiner Bilder interessiert, und der Künstler konnte sich nur mit Mühe finanziell über Wasser halten.

Das Bild Rex ist Ciurlionis’ kompliziertestes und größtes Werk. Im Zentrum des Bildes thront der erhabene Herrscher des Alls, eine große dunkle Kontur zeichnet seine helle Silhouette nach. Der Thron des Herrschers steht auf einer durchsichtigen Erdkugel; in deren Zentrum brennt ein Feuer, das sich auf einer Wasserfläche widerspiegelt. Die Erdkugel ist umgeben von Bergen und übereinanderliegenden Sphären der Erde, noch höher dann vom Himmel mit den Sternen-, Kometen-, Sonnen- und Mondsphären, denen ein Zug beflügelter Engel folgt. Die Hauptgewalten des Universums – Erde, Wasser, Feuer und die Himmelskörper – unterliegen einer erhabenen hierarchischen Struktur. Die vielen Elemente verbindet Ciurlionis meisterhaft zu einem Ganzen und bedient sich dabei überraschender Metamorphosen – Wolken werden zu tauendem Schnee u. ä. ; den Bildraum teilt er nach einem zeitlichen Rhythmus ein (Tag und Nacht, hell und dunkel).
In diesem Bild, wie auch in anderen späten Bildern, schuf Ciurlionis einen vielschichtigen, perspektivenreichen und zugleich dekorativen Raum, womit er einen einzigartigen Beitrag zur europäischen Kunst der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert leistete.

Der auf dem Thron sitzende, gekrönte Herrscher über das Universum, bleibt im Schatten. Wer ist dieser unbekannte, fremde, über alles herrschende Gott? Dieses geheimnisvolle Rätsel gibt Ciurlionis uns auf, ohne uns das Gesicht der Königsfigur zu zeigen oder eine Antwort zu geben. Rex ist das letzte Gemälde des Künstlers. Seine intensive schöpferische Tätigkeit sowie die stete materielle Not raubten ihm die geistige und physische Gesundheit. Der Künstler starb 1911 in einem Sanatorium bei Pustelnik nahe Warschau.

Ciurlionis’ Kunst ist der Welt wenig bekannt, doch bedeutende europäische Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller und Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schätzten ihn als innovativen Visionär und Genie der Kunstsynthese.

Die Kunst von Ciurlionis war auf großen Ausstellungen zu sehen, z.B. „Zum Raum wird hier die Zeit. Die Symbolisten und Richard Wagner“ (Berlin, Brüssel, 1991), „Territorium artis“ (Bonn, 1992), „Okkultismus und Avantgarde: von Munch bis Mondrian: 1900-1915“ (Frankfurt a. M., 1995) und anderen. Retrospektiven seines Schaffens gab es 1992 im Sezon-Museum in Tokio, 1998 in Köln, 2000 im Musée d’Orsay in Paris, 2001 in den Nationalmuseen von Warschau und in Poznań (Posen). Die Bilder von Ciurlionis repräsentieren das Panorama der europäischen Kunst der Jahrhundertwende und bereichern dieses maßgebend.

Das M.-K.-Ciurlionis Museum für bildende Kunst befindet sich im Hauptgebäude des M.-K.-Ciurlionis-Nationalmuseums in Kaunas in der V.Putvinskio g. 55.

Mikalojus Konstantinas Ciurlionis – Home

Ciurlionis und die litauische Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Der berühmteste litauische Künstler des 20. Jahrhunderts war Mikalojus Konstantinas Ciurlionis, ein bedeutender Maler des frühen Modernismus in Ost- und Mitteleuropa, ein Vertreter des Symbolismus. Er zeichnete sich aus durch eine selten anzutreffende schöpferische Verbindung: Er war sowohl Komponist als auch Maler. In seinem künstlerischen Schaffen versuchte er, die Idee von der Kunstsynthese zu verwirklichen, und schuf eine eigene Welt der Visionen und lyrischen Phantasien. Seine reife Zeit dauerte nur kurz: den größten Teil seiner Werke schuf er zwischen 1906 und 1909. Er starb im Alter von 36 Jahren. Die zu Lebzeiten verwehrte Anerkennung wurde ihm nach seinem Tode zuteil – heute gilt er als künstlerisches Genie. Sein Werk zählt zum wertvollsten Erbe in der Geschichte der litauischen Kunst. Es wird heute in Kaunas aufbewahrt, in dem nach ihm benannten Nationalmuseum, das 1921 gleich nach der Unabhängigkeit von Litauen 1918 gegründet wurde.

Ciurlionis wurde 1875 in der südlitauischen Kleinstadt Varena geboren. Sein Vater war Organist, dementsprechend früh begann der Junge zu musizieren und Klavier zu spielen. Der Künstler wuchs in dem litauischen Kurort Druskininkai auf, wo ihn die Schönheit der umgebenden Natur von Kindheit an stark beeindruckte. Der größte Fluss in Litauen, der Nemunas (Memel), der majestätisch durch Tal, Wald und Steilküsten fließt, und das malerische Raigardas-Tal unweit von Druskinikai zogen den zukünftigen Künstler in ihren Bann. Diese Orte suchte er auch als Erwachsener auf wie ein ganz eigenes Paradies, um in der Natur die Inspiration für sein Schaffen zu finden.

Von 1889 bis 1893 studierte Ciurlionis an der von Fürst Michael Ogiński am Fürstenhof im litauischen Plunge gegründeten Orchesterschule. Er spielte Flöte im Hoforchester, wo bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Traditionen des höfischen Musizierens gepflegt wurden. Ciurlionis entschied sich für den Beruf des Musikers und studierte von 1894 bis 1899 am Warschauer Musikinstitut, anschließend von 1901 bis 1902 am königlichen Konservatorium in Leipzig. Zu Ciurlionis`Werken zählen die symphonischen Dichtungen „Jūra“ (Das Meer), „Miške“ (Im Walde), die Kantate „De profundis“, Werke für Klavier (Präludien, Variationen), Streichquartett und Orgel sowie Chorfugen und harmonisierte Volkslieder.

Um 1902 entdeckte Ciurlionis die darstellende Kunst. In Litauen war ein Studium der Kunst nicht möglich, da die russische Regierung die Universität Vilnius mit den Lehrstühlen für Kunst 1832 geschlossen hatte. Danach konnten Litauer nur außerhalb des Landes einem Kunststudium nachgehen. Ciurlionis entschied sich für die Kunstschule in Warschau, die er von 1904 bis 1906 besuchte. Das war eine neugegründete Schule, die die Suche nach neuen Kunststilen förderte; es unterrichteten junge Künstler wie Ferdynand Ruszcyc, Kazimierz Stabrowski und Konrad Krzyżanowski. Weiter…

Radierungen

Radierungen sind in der litauischen Volkskunst selten zu finden und erregten daher sofort die Aufmerksamkeit von Forschern und Kunstexperten, die ihren großen Wert erkannten. Die erste Ausstellung von Radierungen, zu der es einen Katalog gab, wurde 1927 von P. Galaunė in Kaunas organisiert. Sie war danach in fast allen großen europäischen Museen zu sehen und erzielte überall große Resonanz.

Leider endete die Tradition der Radierung in der Volkskunst mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Anders als bei der Malerei, deren Entwicklung ebenfalls unterbrochen wurde, die jedoch nach dem Krieg als neue Kunstform entstand, führt die Radierung in der Volkskunst heute ein Schattendasein. In den Werken von R. Krasinkevicius wird die Tradition im Bereich Landschaftsgestaltung, Technik, Farbgebung und Linienführung am lebendigsten fortgeführt. Andere bedeutende Künstler in diesem Bereich sind O. Pusvaškytė und M. Rinkūnaitė.

Versuche, die Kunst der Radierung durch Seminare und Ausstellungen wieder aufleben zu lassen, haben bis jetzt keinen großen Einfluss auf die Entwicklung genommen. Eine herausragende Ausstellung zu diesem Thema war jedoch die vom Litauischen Zentrum für Volkskultur 1986 im M. K. Čiurlionis Museum in Kaunas organisierte Retrospektive, bei der alte Stiche zusammen mit anderer Kunst gezeigt wurden.

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