Die Bernstein Saison beginnt – Gehen Sie auf Schatzsuche

Die Herbst- und Winterstürme beginnen ab November, die Ostsee aufzuwühlen. Die perfekte Gelegenheit, an Litauens Küste auf Schatzsuche nach dem „litauischen Gold“ zu gehen.

Aufgrund der Kälte und der damit verbundenen erhöhten Dichte des Meerwassers, kann die Ostsee den Bernstein leichter transportieren, was dazu führt, dass die wertvollen Steine an die Küste gespült werden. Bernstein ist ein fossiles Harz von Nadelbäumen, das sich über die Jahrmillionen verhärtet hat. Als besonders schön gelten Steine, die sogenannte Inklusionen aufweisen, also Einschlüsse von tierischen oder pflanzlichen Überresten. An Litauens etwa 98 km langer Küste können Sie nicht nur selbst nach dem „litauischen Gold“ suchen, sondern auch die Geschichte und Verarbeitung des Bernsteins kennenlernen, der dort seit Generationen gesammelt und zu Schmuckstücken verarbeitet wird.

Museen, Fundstellen und Werkstätten – Litauens Bernsteinküste

An Litauens Ostseeküste reihen sich die Bernstein-Sehenswürdigkeiten nur so aneinander. Das weltweit größte Bernsteinmuseum mit etwa 29000 Exponaten befindet sich im nördlichen Abschnitt der Küste in Palanga. Hier können Sie in offenen Werkstätten professionellen Bernsteinmeistern bei der Arbeit über die Schulter schauen. An der Kurischen Nehrung in Nida können Sie in der Bernsteingalerie ein 2 kg Exemplar bewundern. In der Bernsteinbucht von Juodkrante wurde im 19. Jahrhundert ein erstaunlicher archäologischer Fund gemacht: Ein wahrer Schatz aus Bernsteinerzeugnissen aus dem Neolithikum, also dem 3. Jahrtausend v. Chr. Wenn Sie selbst Ihr Glück versuchen möchten, sollten Sie auf jeden Fall in Karkelbeck vorbeischauen. Wissenschaftlern zufolge wird hier heutzutage der meiste Bernstein angespült.

 

 

 

 

Der Botanische Park

Botanische Park
Die Parkanlage vor dem Bernsteinmuseum in Palanga. (c) UAB ANTILE

Der botanische Park in Palanga wurde 1897 vom Grafen Felix Tiskevicius im englischen Stil mit deutlichen klassizistischen Planungselementen eingerichtet. Die Umsetzung übernahm der bekannte französische Gartenarchitekt Edouard Francois Andre.

In der Mitte vom botanischen Park wurde ein Schloss (heute das Bernsteinmuseum in Palanga) nach einem Projekt des deutschen Architekten Franz Schwechten errichtet. Nach der Gründung des botanischen Parks wurden (so wird vermutet) über 500 Baum- und Buscharten gepflanzt, die aus anderen botanischen Gärten (Berlin, Königsberg) gebracht wurden.

Natterkönigin Egle
Skulptur der Natterkönigin Egle. (c) UAB ANTILE

Es gibt 12 speziell eingerichtete Eingänge in den botanischen Park. Am Haupteingang gibt es ein Park-Info-Center, ein Souvenirgeschäft und von hier werden verschiedene Ausstellungen im Park organisiert.

Die Gesamtfläche des botanischen Parks beträgt 101,3 ha, die Baumanlagen davon machen 60 ha aus, die Wiesen 24,5 ha und die Blumengärten 0,5 ha. Die Wasserbestände nehmen 1,16 ha Platz in Anspruch. Die verschiedenen Wege und Pfade im Park haben eine Länge von 18 km, der Park-Strand (mit blauer Flagge) erstreckt sich auf einer Länge von 1,5 km.

Teich im botanischen Park
Teich im botanischen Park. (c) UAB ANTILE

Im Park stehen acht Gebäude, eine 1.000 qm grosse Orangerie mit 80 Rosensorten, neun Skulpturen und viele weitere Formen aus der Kleinarchitektur. Es existiert ein automatisches Bewässerungssystem und eine dekorative nächtliche Beleuchtung. Im Sommer finden im botanischen Park in Palanga viele traditionelle Veranstaltungen statt: Kammerkonzerte auf der Terasse vom Bernsteinmuseum und im Kaminsaal des Schlosses, und verschiedene Poesieabende und Konzerte im Rondel. Der Park hat jährlich über 500.000 Besucher, die sich an den 250 verschiedenen Baumsorten und 370 verschiedenen Graspflanzen erfreuen.

Palanga

Palanga (18.000 Einwohner) ist der bekannsteste und beliebteste Ferienort und Kurort in Litauen. Die langen weissen Sandstrände der Ostsee, die Dünen, die saubere Luft und die duftenden Kiefernwälder in Palanga werden jährlich von mehr als 3 Mio. Touristen, Urlaubern und Patienten besucht.

Palanga
Stadtmitte von Palanga. (c) UAB ANTILE

Zum Kurort wurde Palanga am Ende des 19.Jh. ernannt. Dieses war ein großer Verdienst der Grafenfamilie Tiskevicius. Unter der Herrschaft der Tiskevicius wurde in Palanga der botanische Park mit Schloss und dem heutigen Bernsteinmuseum angelegt, der Hafen von Palanga errichtet und die ersten Heilanstalten und Sanatorien eröffnet, die heute zu den Sehenswürdigkeiten von Palanga zählen. Die spezialisierten balneotherapeutischen Behandlungen der Sanatorien und Rehabilitationszentren in Palanga helfen u.a. bei Erkrankungen der Nieren, Harnwege, Atmungswege, bei Bewegungs- und Stoffwechsel-Störungen sowie bei Frauenleiden.

Seebrücke Palanga
Seebrücke von Palanga. (c) UAB ANTILE

In den letzten Jahren wurden in Palanga viele verschiedene Hotels, Pensionen und Gästehäuser eröffnet. Im Kurort Palanga gibt es eine große Auswahl an Cafés, Bars, Restaurants, Diskotheken, Nachtclubs und Casinos. Palanga gehört neben der Kurischen Nehrung zu den bedeutendsten Zentren des litauischen Fremdenverkehrs, die lange Strandpromenade mit Seebrücke, der Flughafen Palanga, und die Sanatorien und Rehabilitationszentren in Palanga sind die Hauptgründe dafür.

Bernsteinmuseum in Palanga

Das weltbekannte und grösste Bernsteinmuseum der Welt in Palanga befindet sich im botanischen Park im ehemaligen Schloss des Grafen Felix Tiskevicius und wurde 1963 eröffnet. Um das Schloss herum zieht sich der über 100 ha grosse botanische Park, der vom französischen Gartenarchitekten Edouard Francois Andre entworfen wurde.

Die erste kleine Bernstein-Ausstellung im heutigen Bernsteinmuseum in Palanga zählte gerade mal 478 Ausstellungsstücke, die sich auf einer Fläche von 96 qm verteilten. In vier Jahrzehnten ist daraus ein modernes Museum geworden, und ein bedeutendes Zentrum für Sammlung, Forschung und Verbreitung von Bernstein.
Bernsteinmuseum in Palanga
Bernsteinmuseum in Palanga, (c) UAB ANTILE
Das Bernsteinmuseum in Palanga verfügt heute über 29.000 Exponate, von denen etwa 4.500 auf einer Fläche von 750 qm ausgestellt sind. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich fossile Harze aus der ganzen Welt und eine unikate Sammlung von Einschlüssen. Die Entstehung von Bernstein spiegeln Bernsteinstücke von verschiedenen Grössen und Formen wider, der grösste und berühmteste Bernstein der Sammlung im Bernsteinmuseum in Palanga ist der Sonnenstein, dieser wiegt 3.524 Gramm!

Bereits über 9 Mio. Besucher im Bernsteinmuseum in Palanga verschaften sich einen Überblick über die Entstehung von Bernstein und seine künstlerische und wirtschaftliche Bedeutung in der Kulturgeschichte. Heutzutage versucht das Bernsteinmuseum seine Funktionen zu erweitern, die Besucher kommen nicht nur um sich den Bernstein anzuschauen, grosse Anziehungskraft haben die kulturellen Veranstaltungen im Bernsteinmuseum. Im Kaminraum des Schlosses treten berühmte Künstler aus Litauen auf, und seit mehr als dreissig Jahren finden auf der Museumsterasse Abendkonzerte und Nachtserenaden statt.

Öffnungszeiten vom Bernsteinmuseum in Palanga:

September – Mai: Dienstags – Samstags 11.00-17.00 Uhr.
Sonntags und vor den staatlichen Feiertagen 11.00-16.00 Uhr.
Juni – August: Dienstags – Samstags 10.00-20.00 Uhr.
Sonntags und vor den staatlichen Feiertagen 10.00-19.00 Uhr.
Montags und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

Der Eintrittspreis in das Bernsteinmuseum beträgt 8 Litas. (Stand Mai 2008)

Bernstein

Die Menschen im Baltikum sind durch die Materialien Leinen, Bronze und Bernstein miteinander verbunden. Diese drei Materialien werden bereits in den ältesten Mythen und Legenden erwähnt und mit vorchristlichen Göttern, Gewässern, Kriegen und der Arbeit in Friedenszeiten, Liedern und Ritualen in Verbindung gebracht. Im Altertum war das von litauischen Frauen gewebte Leinen in allen Bereichen des Lebens präsent, Männer ließen Waffen aus Kupfer schmieden und verwendeten Bernstein für Rituale, bei denen sie die Götter um Beistand für Arbeit und Kampf baten. Deswegen ist Bernstein schon seit vorchristlichen Zeiten ein Zeichen für die göttliche Welt, ein Merkmal für Transzendenz und die Spur von Übernatürlichem. Er verweist auf andere Welten: die des goldenen Zeitalters, himmlischer Schönheit, eines ehrenvollen Lebens nach dem Tod, ewiger Gesundheit und tiefer Weisheit. Deswegen hat das Interesse für den Bernstein über Jahrhunderte hinweg nicht abgenommen.

Bernstein
Der Bernstein wurde auch als Sonnenstein betrachtet. (c) UAB ANTILE

Nicht nur in Litauen ist das duftende und von vergangenen Zeitaltern geprägte erstarrte Harz eine Kostbarkeit. Laut Kazimieras Mizgiris wird Bernstein dann als Mineral bezeichnet, wenn er älter ist als 30 Millionen Jahre. Früher wurde Bernstein auf Sizilien noch in sehr kleinen Mengen gefunden, heute jedoch erschöpft sich die Bedeutung Sizilianischen Bernsteins in der Mythologie und der Dichtung. Bernstein findet man Hauptsächlich noch in Kanada, Kolumbien, Galizien, auf Grönland, auf Kamtschatka, in der Dominikanischen Republik, in Spanien, Syrien, im Libanon, in Japan, Mexiko, Kolumbien, der Ukraine, Polen, Russland und an anderen Orten.

Da Bernstein nicht an jedem Ort derselbe ist, sind auch die ihn begleitenden Legenden und Rituale sehr verschieden. Zum Beispiel wird der Sizilianische Bernstein auch Simetit genannt (nach den ersten Fundstellen an der Ufermündung des Flusses Simeto). Wie auch der Baltische Bernstein ist der Simetit gelblich, bräunlich und purpurfarben, seltener grünlich, bläulich oder gar goldfarben.

Bernsteinmuseum in Palanga
Bernsteinmuseum in Palanga. (c) UAB ANTILE

Baltischer Bernstein besteht zu 0,16 – 1,24 Prozent aus Schwefel, der Simetit enthält jedoch mehr Schwefel, nämlich 0,70 – 2,52 Prozent. Man sagt, dass der Sizilianische Bernstein beim Aushärten vom Ätna ausgesonderte Gase in sich angereichert hat. Hierher rühren auch die Unterschiede zwischen Baltischem Bernstein und Simetit. Wird Baltischer Bernstein erhitzt, so riecht er erfrischend nach Kiefernzweigen und versetzt uns in unserer Vorstellung an die rauschenden Küsten der Kurischen Nehrung. Der Simetit jedoch verströmt einen starken Schwefelgeruch und erinnert an die Schmieden des Hephaistos, wenn sie ihre Arbeit aufnehmen. Baltischer Bernstein schimmert im Dunkeln ruhig und sanft, Sizilianischer Bernstein hingegen zeichnet sich durch ein heftiges Leuchten aus (die heutige Wissenschaft bestreitet das Vorhandensein eines solchen Leuchtens). Wie dem auch sei, Schmuck und Ketten aus Sizilianischem Bernstein funkeln in der Sonne meist in mehreren Farben: leuchtend rot, gelb, grün und bläulich. In Sizilien werden Stücke des legendären funkelnden Simetits auch „Tränen der Heliaden“ genannt.

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