Der berühmteste litauische Künstler des 20. Jahrhunderts war Mikalojus Konstantinas Ciurlionis, ein bedeutender Maler des frühen Modernismus in Ost- und Mitteleuropa, ein Vertreter des Symbolismus. Er zeichnete sich aus durch eine selten anzutreffende schöpferische Verbindung: Er war sowohl Komponist als auch Maler. In seinem künstlerischen Schaffen versuchte er, die Idee von der Kunstsynthese zu verwirklichen, und schuf eine eigene Welt der Visionen und lyrischen Phantasien. Seine reife Zeit dauerte nur kurz: den größten Teil seiner Werke schuf er zwischen 1906 und 1909. Er starb im Alter von 36 Jahren. Die zu Lebzeiten verwehrte Anerkennung wurde ihm nach seinem Tode zuteil – heute gilt er als künstlerisches Genie. Sein Werk zählt zum wertvollsten Erbe in der Geschichte der litauischen Kunst. Es wird heute in Kaunas aufbewahrt, in dem nach ihm benannten Nationalmuseum, das 1921 gleich nach der Unabhängigkeit von Litauen 1918 gegründet wurde.

Ciurlionis wurde 1875 in der südlitauischen Kleinstadt Varena geboren. Sein Vater war Organist, dementsprechend früh begann der Junge zu musizieren und Klavier zu spielen. Der Künstler wuchs in dem litauischen Kurort Druskininkai auf, wo ihn die Schönheit der umgebenden Natur von Kindheit an stark beeindruckte. Der größte Fluss in Litauen, der Nemunas (Memel), der majestätisch durch Tal, Wald und Steilküsten fließt, und das malerische Raigardas-Tal unweit von Druskinikai zogen den zukünftigen Künstler in ihren Bann. Diese Orte suchte er auch als Erwachsener auf wie ein ganz eigenes Paradies, um in der Natur die Inspiration für sein Schaffen zu finden.

Von 1889 bis 1893 studierte Ciurlionis an der von Fürst Michael Ogiński am Fürstenhof im litauischen Plunge gegründeten Orchesterschule. Er spielte Flöte im Hoforchester, wo bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Traditionen des höfischen Musizierens gepflegt wurden. Ciurlionis entschied sich für den Beruf des Musikers und studierte von 1894 bis 1899 am Warschauer Musikinstitut, anschließend von 1901 bis 1902 am königlichen Konservatorium in Leipzig. Zu Ciurlionis`Werken zählen die symphonischen Dichtungen “Jūra” (Das Meer), “Miške” (Im Walde), die Kantate “De profundis”, Werke für Klavier (Präludien, Variationen), Streichquartett und Orgel sowie Chorfugen und harmonisierte Volkslieder.

Um 1902 entdeckte Ciurlionis die darstellende Kunst. In Litauen war ein Studium der Kunst nicht möglich, da die russische Regierung die Universität Vilnius mit den Lehrstühlen für Kunst 1832 geschlossen hatte. Danach konnten Litauer nur außerhalb des Landes einem Kunststudium nachgehen. Ciurlionis entschied sich für die Kunstschule in Warschau, die er von 1904 bis 1906 besuchte. Das war eine neugegründete Schule, die die Suche nach neuen Kunststilen förderte; es unterrichteten junge Künstler wie Ferdynand Ruszcyc, Kazimierz Stabrowski und Konrad Krzyżanowski. Weiter…

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