Fragt man einen Litauer nach der traditionellen Kultur seines Landes, wird er sicherlich zuerst von litauischen Liedern und der Sangeslust seiner Landsleute erzählen. Noch vor einigen Jahrzehnten kannten die meisten Frauen in Dzûkija (Südlitauen) an die hundert Lieder, und die versiertesten Sänger und Sängerinnen brachten es gar auf an die vierhundert. Ein Sprichwort sagt, dass die Menschen öfter sangen als sprachen. Die Lieder wurden von einer Generation an die nächste und zwischen verschiedenen Dörfern weitergegeben, dabei auch verändert und ergänzt. Deshalb gibt es von vielen Liedern zahlreiche Melodie- und Textvarianten. Das größte Archiv litauischer Folklore (LLTI) umfasst allein bereits über 400.000 verschiedene Lieder.

Kankles, das älteste und ursprünglichste litauische Musikinstrument (c) llkc.lt

Kankles, das älteste und ursprünglichste litauische Musikinstrument (c) llkc.lt

Die Litauer selbst, die nicht gerade für ihr expressives Naturell bekannt sind, würden sagen, dass ihre Volkslieder ein breites Stimmungsspektrum wiedergeben, wobei höchstes Glück oder tiefste Trauer ausgeklammert sind. Besuchern des Landes fällt jedoch die lyrische Qualität und Innigkeit der Lieder auf. J. W. von Goethe sagte von ihnen, sie seien in Schmerz gehüllt. Die Lieder handeln von den Beziehungen zwischen Familien- und Gemeinschaftsmitgliedern und vom Leben mit der Natur. weiter…

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Die litauische Religion gehört wie die alten Religionen Nord- und Mitteleuropas der Slawen, Teutonen und Kelten zu den indo-europäischen. Während Lettland oder Preußen im Mittelalter noch keinen eigenen Staat und soziale Schichten gebildet hatten, erwähnen Quellen des 13. und 14. Jahrhunderts für Litauen eine Klasse der Krieger und Herrscher, die einer bestimmten heidnischen Religion anhingen.