700 Jahre Geschichte von Vilnius im Überblick

Die Geschichte von Vilnius, Hauptstadt von Litauen, ist lang und wechselhaft. Die Geschichte der Stadt beginnt 1323 während der Regierungszeit des Grossfürsten Gediminas, und endet mit dem Höhepunkt der Ernennung von Vilnius zur Kulturhauptstadt von Europa 2009. Knapp 700 Jahre Geschichte von Vilnius im Überblick:

Im Jahre 1323 während der Regierungszeit des Grossfürsten Gediminas (geboren 1275 – verstorben 1341, neben Mindaugas und Vytautas zählt Gediminas zu den großen Regenten in der litauischen Geschichte) wird Vilnius als Hauptstadt von Litauen erstmalig urkundlich erwähnt. 1387 wird Vilnius das Stadtrecht durch den damaligen Grossfürst Jogaila (1348 – 1434, christianisiert Litauen, schliesst eine Union mit dem Königreich Polen, von 1386 bis 1434 König von Polen) erteilt.

Im 14. und 15 Jh. blüht Vilnius als eines der Handel-, Industrie- und Kulturzentren in Osteuropa auf, Litauen wird mit seinen angeschlossenen Ländern zu einem der grössten Staaten in Europa:
1495 werden in Vilnius die ersten Goldschmiede- und Schneiderzünfte gegründet. 1501 wird das Wasserleitungssystem von Vilnius in Betrieb genommen. 1522 wird durch Franciskus Skoryna die erste Druckerei in der Stadt gegründet, Vilnius wird im Verlauf der nächsten Jahre zu einem der bekanntesten Zentren des Buchdrucks in ganz Europa. 1569 verliert Vilnius an die Lubliner Union (Warschau wird Zentrum des neuen riesigen vereinten Reiches) seinen Einfluss als verwaltende Hauptstadt. Es wird ein gemeinsamer litauisch-polnischer Staat gegründet. 1579 wird die von Jesuiten gegründeten Schule in Vilnius der Status als Universität zuerkannt. Die Universität in Vilnius wird zum wichtigsten Kulturzentrum der Region.

1795 annektiert Russland (bei der Dritten Teilung der Republik) Litauen, viele der Bewohner von Vilnius, welches nun ein russisches Gouvernement ist, werden ermordet oder in östliche Regionen des russischen Reiches vertrieben.

In den Jahren 1830 / 1831 vollzog sich der Nationale Befreiungsaufstand der Völker gegen die Verwaltungsmacht Russland, welcher durch die Politik der russischen Willkürherrschaft und Unterdrückung ausgelöst wurde. Nach der Niederschlagung des Aufstandes im Jahre 1831 schliesst die russische Verwaltung die Universität Vilnius, die katholischen Kirchen werden in orthodoxe umgewandelt und die vorhandenen Klöster zu Kasernen umfunktioniert oder geschlossen. 1869 wird durch die Industrialisierung die Bahnstrecke von Sankt Petersburg über Warschau bis Vilnius verlegt, eine Erzgiesserei und Tabakfabrik gegründet und die erste Bierbrauerei in Vilnius eröffnet. 1886 bis 1902 wird Vilnius zum Zentrum der nationalen Wiedergeburt und im Jahre 1904 das (1864 verhängte) litauische Presseverbot aufgehoben.

1918 wird am 16. Februar der unabhängige Staat wiederhergestellt. 1920 besetzt Polen das Vilnius-Gebiet, die neue Hauptstadt ist nun Kaunas. 1939 / 1940 wird die Unabhängigkeit von Litauen mit der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Paktes zwischen der damaligen Sowjetunion und Deutschland aufgehoben. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wird die Altstadt von Vilnius auch getroffen, doch viele der Monumente bleiben vom Bombenhagel verschont. 1940 bis 1953 führt die russische Besatzungsmacht Massenvertreibungen durch, Litauen verliert dadurch rund ein Drittel seiner Bewohner. 1945 wird Litauen Mitglied der Vereinten Nationen. Für die Mitgliedschaft sorgen ausgewanderte Staatsmänner des ehemaligen litauischen Staates. Nach dem Krieg besetzte die Sowjetunion Litauen und etablierte dort gegen den Widerstand der Bevölkerung eine Sowjetrepublik. Diese Besetzung wurde vom Westen nie anerkannt, aber hingenommen.

1990 erklärte sich Litauen, im Zuge der Perestrojka, zum souveränen Staat, stieß hierbei aber auf den bewaffneten Widerstand der sowjetischen Regierung. Am 11. März 1990 erklärt der oberste Rat die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens.

1991 wird Litauen als unabhängiger Staat Mitglied der Vereinten Nationen, und erlangte (wie auch die Nachbarländer Lettland und Estland) nach einem Referendum am 9. Februar 1991 seine Unabhängigkeit wieder. Im März 2004 tritt Litauen der NATO und im Mai der Europäischen Union bei. Die Stadt Vilnius ist nun nach einer langen und wechselhaften Geschichte Hauptstadt eines der EU- und NATO-Mitgliedsstaaten.

2009 wird Vilnius Kulturhauptstadt von Europa, für Litauen, das im Jahr 2009 auch den 1000. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung feiert, ist es eine grosse Möglichkeit Vilnius als Kulturhauptstadt und das Land Litauen (nicht nur in Europa) vorzustellen.

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