Kleinlitauen

TRACHTEN IN KLEINLITAUEN (REGION KLAIPEDA) Kleinlitauen ist der einzige Landesteil Litauens, in dem der Großteil der Bevölkerung evangelisch war. Daher unterscheidet sich diese Region politisch und kulturell vom Rest des Landes, was sich auch in der traditionellen Kleidung widerspiegelt. Im 17. und frühen 18. Jahrhundert war die Kleidung in Kleinlitauen laut historischer Quellen sehr farbenfroh und reich verziert. Leider sind nur wenige Stücke erhalten geblieben.

TRACHTEN IN KLEINLITAUEN
Trachten in Kleinlitauen (Klaipeda / Memel), zweite Hälfte des 19. Jahrunderts. (c) llkc.lt

Durch den Einfluss der lutherischen Religion veränderte sich die Kleidung der Dorfbewohner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drastisch: Die Menschen trugen gedeckte Farben und verzichteten auf Verzierungen, um Bescheidenheit zu zeigen. Dennoch wirkt diese dunkle Kleidung auf ihre eigene Weise elegant und attraktiv, zumal städtische Einflüsse geschickt übernommen wurden.

Frauenkleidung

Hemden: Tief angesetzte Ärmel, die mit einem weiß-roten Musterstreifen am Ärmelausschnitt begannen, gemusterte Schulterriegel. Später auch mit Weißstickerei. Nähtechniken und teilweise auch Muster wurden aus Deutschland übernommen und unterschieden sich daher von denen der anderen Landesteile. Interessante Infos über die Frauen aus Litauen.

Röcke: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts längs gestreift oder kariert und wie in Žemaitija weit und im Bund gefältelt. In der zweiten Hälfte aus hauptsächlich schwarzem Stoff mit schmalen, waagerechten Streifen in grün, braun, blau oder gelb, weniger und feinere Falten.

Taschen / Dalmonas
Trachtentasche aus der Region Kleinlitauen (c) llkc.lt

Schürzen: Frühe Exemplare aus weißem Leinen mit senkrechten und/oder waagerechten rotweißen Musterstreifen mit geometrischen Mustern oder grafischen Pflanzenmustern. Später dunkler wie der Rest der Kleidung, hauptsächlich in Braun- oder Blautönen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Frauen, Schürzen aus gekaufter Seide zu nähen, die ebenfalls gedeckt grün, braun oder blau waren. Später wurde auch schwarz modern.

Mieder: Für besondere Anlässe aus gekaufter Seide, Samt oder feinem Wollstoff. Frühe Exemplare eher weit geschnitten, relativ kurz (bis zur Taille) und mit tiefem Ausschnitt vorne und hinten. Hauptfarben grün und dunkelblau, später schwarz, wobei sich auch der Schnitt änderte und die Mieder hochgeschlossener und mit kurzen Schößchen genäht wurden.

Schärpen: In Brettchenwebtechnik rot auf weiß oder blau auf weiß, später auch mit dunklerem schwarzbraunen, roten oder grünen Hintergrund aus Baumwoll- oder Leinengarn. Viele der Schärpen sind “Hundertgemusterte”, d. h., die Motive werden nicht wiederholt sondern wechseln. Delmonas: eine flache, kleine Tasche aus dunklem Stoff, die mit bunter Wolle bestickt war, manchmal auch mit Perlen. Sie wurde mit einer schmalen Schärpe um die Taille gebunden.

Schuhwerk: Lederschuhe, Lederschuhe ohne Sohlen oder Holzschuhe, die vorn breit und stumpf endeten.

Kopfbedeckungen in Kleinlitauen (c) llkc.lt

Kopfbedeckungen in Kleinlitauen (c) llkc.lt

Kopfbedeckungen: Unverheiratete Mädchen trugen als Kopfschmuck aufwendige Zopffrisuren, bei denen die Zöpfe in verschiedenen Mustern um den Kopf gelegt wurden. Vor die Zopfkränze banden sie sich Seiden- und Samtbänder oder handgewebte Schärpen.

Verheiratete Frauen: Hauben aus Klöppelspitze, weißer Baumwolle oder farbigen Seiden-, Samt- und Wollstoffen. Darüber ein Dreiecktuch, das im Nacken gebunden wurde. Tücher: Besonders dekorativ mit reich bestickten Bändern, die in der Tuchmitte längs eingenäht wurden. Sie wurden als Kopf-, Hals- oder Schultertuch getragen. Besonders begehrt waren dunkelviolette oder braune Seidenschals mit Blumenmustern.

Accessoires: Am Beliebtesten waren Ketten aus Bernstein oder dunkelblauen bzw. rotbraunen Glasperlen. Überbekleidung: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tunika-artige Mäntel aus braunem, dunkelblauen oder weißem Wollfilz mit bestickten Schulterstücken und Krägen oder Paspeln aus Bändern. Später Mäntel im städtischen Schnitt, die mit schwarzem Samt abgesetzt waren.

Trachten in Kleinlitauen (c) llkc.lt

Trachten in Kleinlitauen (c) llkc.lt

Männerkleidung

Dunkelblaue oder schwarze Tunikas und Leinenhemden im Tunikaschnitt. Lange Hosen oder, einzigartig in Litauen, Kniebundhosen, die den starken westeuropäischen Einfluss zeigen. Ledergürtel oder bestickte Bänder. Hohe Stiefel zu langen Hosen, kurze Stiefel und verzierte Wollsocken zu Kniebundhosen. Hüte mit geraden Krempen, die mit Bändern oder Schärpen verziert wurden.

Wegkreuze

In ganz Litauen gibt es Wegkreuze, Bildstöcke und Schreine im Freien, sodass Litauen oft als “Land der Kreuze” bezeichnet wird. Laut V. Šukevičius lässt sich Litauen anhand der Anzahl und Ausführung von Wegkreuzen kartieren. Ähnliche Bauten findet man auch in benachbarten katholischen Ländern, besonders in Polen, doch nicht so zahlreich wie in Litauen.

Siauliai, Berg der Kreuze
Berg der Kreuze im Bezirk Siauliai (c) llkc.lt

Wegedenkmäler zu errichten hat in Litauen eine lange, über vierhundert Jahre alte Tradition. Einige Elemente davon gehen auf die vorchristliche Zeit zurück, doch lässt sich der genaue Ursprung nicht mehr ermitteln. Die meisten dieser Kleindenkmäler entstanden im 19. Jahrhundert am Wegesrand, in Dörfern, an Kreuzungen, an Stadttoren und auf Plätzen, auf Gehöften, auf Friedhöfen, an Brücken, Flüssen und Seen und sogar mitten im Wald. Ihre Form und Ausgestaltung zeigt, dass ihre Schöpfer kreative Dorfkunsthandwerker waren.

Die Tradition, Kreuze und Schreine herzustellen, sie zu weihen und aufzustellen war eng mit dem spirituellen Glauben an die Kraft des Kreuzes verbunden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden weniger Kreuze und Schreine errichtet, und Form und Verzierungen änderten sich. Die Tradition riss jedoch nicht ganz ab, bis während der russischen Besatzung viele alte Schreine zerstört wurden oder verfielen, die unter den herrschenden Bedingungen auch nicht ersetzt werden durften.

In den achtziger Jahren tauchten weltliche Kleindenkmäler auf, manche in Gruppen (Ablinga, “Die Straße von Čiurlionis“, “Hexenhügel” und insgesamt etwa 20 andere), manche einzeln. Sie unterscheiden sich von den traditionellen Kleinbauten in der Art der Verzierung und ihrem Nutzen. So sind manche aus Eichenbaumstämmen geschaffen, die mit umlaufenden Reliefs verziert sind, andere haben auch praktische Funktion, zum Beispiel als Wegweiser oder Bank. Eine Verbindung zur traditionellen Form besteht jedoch in den schmiedeeisernen “Sonnen” auf den Dächern einiger Konstruktionen, die den ursprünglichen Kreuzen sehr ähnlich sind. Seit der Unabhängigkeit wurden auch einige der alten sakralen Kleinbauten wieder restauriert oder anhand von alten Fotos neu geschaffen.

Formen von Wegkreuzen:
Die Kleindenkmäler lassen sich in folgende zwei Gruppen aufteilen: Lateinische Kreuze (oder Passionskreuze) in verschiedener Höhe und Säulenschreine in zwei Varianten. Bedeutung von Wegkreuzen Jedes Kleindenkmal wurde und wird zu einem bestimmten Zweck errichtet, der die Art der Ausführung, den Aufstellungsort und die Lebensdauer bestimmt.

Grafiken

Eine besonders verbreitete Art der Volkskunst ist der Holzschnitt, der im 19. Jahrhundert seine Blütezeit vor allem in Samogitien erlebte, weshalb man oft vom samogitischen Holzschnitt spricht.

Radierungen sind in der litauischen Volkskunst selten zu finden und erregten daher sofort die Aufmerksamkeit von Forschern und Kunstexperten, die ihren großen Wert erkannten.

Während der Besatzungszeit befasste sich die Bildhauerei in der Volkskunst mit weltlichen Motiven wie Arbeit, Alltag, Feiertage und Folklore, Mythologie, Volkskunde, russischen Elementen und Krieg.

Volksmalerei

Die Malerei gehört in der Volkskunst in Litauen zu den figurativen Künsten. Motive alter Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen sind of Stationen aus dem Leben Christi, der Jungfrau Maria oder Heiliger. Die Bilder sind auf Holz, Metallplatten oder Leinwand gemalt und finden sich oft in Kirchen oder Kapellen. Die meisten von ihnen stammen aus dem 19. Jahrhundert, doch einige wenige datieren aus dem 18. Jahrhundert oder noch früherer Zeit. Bei der Einordnung der Gemälde muss man zwischen den Werken von naiven und akademisch gebildeten Künstlern unterscheiden. Die zur Volksmalerei zählenden naiven Gemälde fallen durch ihre Einfachheit, harmonische Komposition und die Wiederkehr bestimmter Motive auf und wurden meist von älteren Künstlern geschaffen, die sich das Malen selbst beibrachten. Daher finden sich auch in der naiven Volkskunst, die von der klassischen Kirchenkunst inspiriert wurde, Einflüsse der jeweils vorherrschenden Malstile.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Malerei einen ungeheuren Aufschwung, jedoch wurde wegen der Unterbrechung nach dem Krieg nicht direkt an die traditionelle Volkskunst angeknüpft. Auch hier kam es wieder zur Aufteilung in die zwei Gruppen naive und akademische Kunst, wobei die naiven Künstler nach der ersten Ausstellung sofort weltweit bekannt wurden. Die besten Werke aus den Siebzigern wurden in die Welt-Enzyklopädie der Naiven Kunst aufgenommen (M. Bičiunienė, J. Nalivaikienė, M. Kozmina, M. Juščiunienė, E. Kniuškaitė, B. Zavackis und andere). Viele dieser Künstler begannen ihre Karriere erst in mittleren Jahren oder im Alter. Ihre Bilder zeigen Dörfer aus ihrer Jugend, Szenen aus der Natur oder Feiertagsimpressionen und bilden eine harmonische Welt ab, in der der Mensch im Einklang mit der Natur lebt. Der Stil der einzelnen Künstler ergibt sich aus ihren individuellen Ansichten, Lebenserfahrungen und ihrer Vorstellungskraft. Die meisten dieser Bilder haben auch hohen ethnographischen Wert, da sich durch die Abbildung von Menschen, Gebäuden und Szenen aus dem Dorfleben die Volkskultur in lebendigen Farben spiegelt. Naive Kunst hat einen großen Anteil an Ausstellungen und Wettbewerben. Einer der bekanntesten Kunstpreise ist der jährlich in Joniskes vergebene A. Varnas-Kunstpreis.

Die traditionelle litauische Hochzeit

In Litauen liefen Hochzeiten immer nach bestimmten, national geprägten Bräuchen, Riten und Zeremonien ab, die jahrhundertelang von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Erst sich wandelnde ethnische und moralische Ansichten, Lebenspläne und materielle Schwierigkeiten haben über die Jahre etwas daran geändert.

Aus historischen Quellen geht hervor, dass in Litauen nicht der Vater eine Braut für seinen Sohn aussuchte, sondern eine/n Ehestifter/in dafür beauftragte. In der Vermittlungsphase wurden die jungen Leute einander vorgestellt und lernten sich kennen. Der Ehestifter handelte auch die angemessene Mitgift mit den Eltern der Braut aus. Diese erste Hochzeitsphase dauerte unterschiedlich lang, war jedoch von diversen traditionellen Riten geprägt, die in einem bestimmten zeitlichen Ablauf durchgeführt wurden.

Der zweite Teil war die Hochzeit selbst, die folgende Stufen umfasste:

1. Vorabend der Hochzeit
2. das Ritual am Morgen der Hochzeit, bevor es zur Kirche ging
3. Rituale im Haus der Braut, bevor sie eine Schwiegertochter wurde
4. offizielle Anerkennung als Schwiegertochter
5. Empfang der Braut im Haus des Bräutigams
6. Aufnahme der Braut in die Familie und Dorfgemeinschaft des Bräutigams

Der dritte Teil der Hochzeit bestand aus dem Gegenbesuch des jungen Paares im Haus der Braut, bei dem die Mitgift übergeben wurde.

Die Riten zur Ehestiftung und der Gegenbesuch fanden im Kreis der Familie statt, während die Hochzeitszeremonie, bei der die Ehe geschlossen und legalisiert wurde, ein öffentliches Ereignis unter Teilnahme der Dorfgemeinschaft und somit eine Feier für alle war.

Bei traditionellen Hochzeiten wechseln sich spirituelle und spielerische Elemente ab, von denen einige zwingend erforderlich und andere freiwillig sind. Trotz vieler Änderungen werden auch heute noch Hochzeiten in Litauen nach traditionellem Vorbild gefeiert. Siehe auch: Litauische Frauen und ihre Gewohnheiten.

Eine litauische Hochzeit bringt ebenfalls einige althergebrachte Traditionen mit sich. So ist es auch in Litauen üblich, dass man Junggesellenabschied vor der Hochzeit feiert, und Braut und Bräutigam standesgemäß in den Bund der Ehe entlässt. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf www.junggesellinnenabschied.de.

Bräuche & Traditionen in Litauen
Litauische Hochzeit | Beerdigungsriten | Totenklage | Leichenschmaus & Seelenmahl

Folkoregruppen

Die ersten Folkloregruppen, die in Scheunentheatern und ähnlichen Rahmen auftraten, kamen um die Jahrhundertwende auf. 1906 gründete P. Puskunigis das immer noch bestehende Skriaudžiai kanklės-Ensemble. Kurz darauf entstanden viele kanklės, skudučiai und ragai-Ensembles, und es gab die ersten Kurse im kanklės-Spielen. Eins der ersten bedeutenden Volkstheaterstücke hieß “Die Kupiškėnai Hochzeit”. Es wurde 1932 uraufgeführt, und alle Schauspieler waren Bauern aus der Umgebung.

In der Nachkriegszeit wurde unter der offiziellen russischen Kultur nur stilisierte Volkskunst geduldet. Anfang der sechziger Jahre besserten sich die Bedingungen jedoch, sodass eine Folklorebewegung entstehen konnte, die sich aus litauischen Traditionen und Wurzeln speiste. Die traditionelle Folklore hatte Zulauf, da sie eine halbpolitische, aber geduldete Vaterlandsbewegung symbolisierte und eine Alternative zur offiziellen russischen Kultur bot. Gerade junge Studenten in den Städten, vor allem an der Universität von Vilnius, waren in dieser Hinsicht sehr aktiv.

1967 wurde mit der ersten Rasa-Feier (Sommersonnenwende) auf dem Burgberg von Kernavė die Litauische Ramuva-Gesellschaft gegründet. Mit den Feiern von Rasa, Jorė (das erste Ergrünen), Tagundnachtgleichen und anderen heidnischen baltischen Festen entwickelte sich auch das Interesse an historisch nachempfundenen Kleidungs- und Schmuckstücken und ihrer Herstellung.
Anfang der siebziger Jahre entstanden die ersten städtischen Folklore-Ensembles, die sich anfangs meist in Lehranstalten in Vilnius zusammenfanden. Nach und nach wurden die ersten Festivals und Wettbewerbe organisiert. Das erste Stadtfolklorefest war “Skamba skamba kankliai”, das seit 1975 in der Altstadt von Vilnius stattfindet. In den achtziger Jahren wurden die Folklore-Ensembles immer zahlreicher und gründeten sich auch in kleineren Städten oder als Kindergruppen in den Schulen. Auch talentierte Volkskünstler in den Dörfern schlossen sich zu Gruppen zusammen. 1980 gab es den ersten landesweiten Folkloregruppen-Wettbewerb “Ant marių krantelio” (”Am Strand”) in Rumšiškės Skansen, dazu kamen später Workshops in Rumšiškės, Kelmė und anderen Orten. 1987 fand zum ersten Mal das internationale Folklorefestival “Baltica” in Vilnius statt. Seitdem wird es jedes Jahr abwechselnd in einem der drei baltischen Staaten abgehalten. Ende der achtziger Jahre erreichte die Folklore-Bewegung mit der Anerkennung der nationalen Unabhängigkeit ihren Höhepunkt. Damals gab es etwa neunhundert Stadt- und Dorfensemble.
Danach ließ das Interesse etwas nach, da es auch andere Wege gab, nationale Identität auszudrücken. Inzwischen pendelt die Zahl der Folkloregruppen um die fünfhundert. Stadtensembles empfinden traditionelle Repertoires oft nach, während Dorfensembles meist aus älteren Sängern, Tänzern und Musikern bestehen, die ihren eigenen regionalen und überlieferten Traditionen folgen. Die Grenzen zwischen Stadt und Land verwischen jedoch immer mehr.

Einige der bekanntesten Stadtensembles: Marcinkonys (Varėna dst.), Žiūrai (Varėna dst.), Kalviai-Lieponys (Trakai dst.), Luokė (Telšiai dst.), “Linkava” (Linkuva, Pakruojis dst.), “Šeduviai” (Šeduva, Radviliškis dst.), Užušiliai (Biržai dst.), Lazdiniai-Adutiškis (Švenčionys dst.).

Einige der bekanntesten Dorfensembles: “Ratilio”, “Ūla”, “Jievaras”, “Poringė” (Vilnius), “Kupolė” (Kaunas), “Verpeta” (Kaišiadorys), “Mėguva” (Palanga), “Insula” (Telšiai), “Gastauta” (Rokiškis), “Kupkiemis” (Kupiškis), “Levindra” (Utena), “Sūduviai” (Vilkaviškis).

Kinderfolkgruppen: “Čiučiuruks” (Telšiai), “Kukutis” (Molėtai), “Čirulis” (Rokiškis), Antazavė (Zarasai dst.).

Neben den fest etablierten Folklorefestivals “Skamba skamba kankliai” und “Baltica” gibt es zahlreiche, meist regionale, Festivals: “Griežynė” (Instrumentalmusik, Vilnius), “Suklegos” (Post-Folklore, Kaunas), “Parbėg laivelis” (Klaipeda), “Ėr paauga žali lėipa” (Telsiai), “Ar žiba žiburužiai” (Marijampole), “Martynas” (Kinderfolklore, Visaginas) und andere. Der Folkloretag ist fester Bestandteil des großen Litauischen Songfestivals, das alle vier Jahre stattfindet und bei dem Chöre, Musiker, Tänzer und viele weitere Musikkünstler auftreten.

Kinderfolklore

Volkskundler, die sich mit der litauischen Folklore befassen, stimmen darin überein, dass Kinderlieder als eigenständige Gruppe anzusehen sind – dennoch ist es gar nicht so einfach, zwischen dem Liedgut Erwachsener und dem der Kinder eine klare Abgrenzung zu schaffen. Das liegt daran, dass in einem Großteil der Kinderlieder, die bis heute überliefert wurden, Elemente aus dem Erwachsenenliedgut enthalten sind – zum Beispiel Motive, die alte Kulte oder Religionen widerspiegeln, oder bestimmte Kompositionsformen, die untrennbar mit alten Ritualen verbunden sind. Dazu kommt, dass Kinderlieder in der litauischen Kultur immer einen besonderen Platz einnahmen und von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gesungen wurden.

Im Vergleich mit dem Rest des Liedguts scheint es keine besonders große Anzahl von Kinderliedern zu geben, was jedoch möglicherweise daran liegt, dass Sammler und Aufzeichner sie als zweitklassig ansahen. Deshalb enthielten klassische Liedersammlungen wie die von L. I. Rhesa, G. H. F. Nesselmann, Ch. Bartsch, O. Kolberg und anderen nur wenige Beispiele. In den Werken von A. R. Niemi und A. Sabaliauskas kommen sie zahlreicher vor. A. Juška stellte in Lietuviškos dainos (”Litauische Lieder”) 23 Kinderlieder vor; A. R. Niemi und A. Sabaliauskas in Lietuviškos dainos ir giesmės šiaurės rytų Lietuvoje (”Litauische Lieder und Gesänge in Nordost-Litauen”) die Texte von 92 Kinderliedern und A. Sabaliauskas in Lietuvių dainų ir giesmių gaidos (”Noten Litauischer Lieder und Gesänge”) 23 Liedtexte und 11 Melodien für Kinder.

In der Nachkriegszeit erschienen einige Sammlungen beliebter Kinderlieder mit und ohne Noten. Das herausragendste Werk war Lietuvių liaudies dainos vaikams (”Litauische Volkslieder für Kinder”) von J. Čiurlionytė, das 1948 erschien und in dem Texte und Melodien von Kinderliedern nach verschiedenen Thematiken zusammengestellt waren.

Die größte und umfassendste Sammlung von litauischen Kinderliedern ist Lietuvių liaudies dainynas. I t. Vaikų dainos (”Das Litauische Volksliedbuch, Band 1, Kinderlieder”), die vom Institut für Litauische Sprache und Literatur der Litauischen Wissenschaftsakademie 1980 herausgegeben wurde. Der Band enthält über 1000 Texte und 340 Melodien sowie einen ausführlichen Einleitungstext über Kinderliedtexte von Pranė Jokimaitienė. Der Autor schlägt folgende Kriterien für die Klassifizierung von Kinderliedern vor: Funktion, Thema, Struktur, Ursprung, Komponist und Aufführender. Nach diesen Kriterien sind Kinderlieder sehr vielfältig. Ein Teil wurde ursprünglich für Erwachsene komponiert, aber später zu den Kinderliedern gezählt (darunter Kalenderlieder, Unterhaltungslieder und Arbeitslieder), ein Teil war von Anfang an für Kinder gedacht, und einige entwickelten die Kinder selbst.

Bei der Funktion unterscheidet P. Jokimaitienė Wiegenlieder, Unterhaltungslieder, Tierbeschreibungen, Rezepte und Spottlieder. Die ersten beiden Gruppen wurden von Erwachsenen erdacht und für Kleinkinder gesungen. Tierbeschreibungen und Rezepte waren für ältere Kinder gedacht und wurden von Kindern und Erwachsenen aufgeführt. Spottlieder – meist kurze, sehr spezielle Kompositionen – wurden meist von den Kindern selbst erdacht.

Erzählte Folklore

Ein wichtiger Bestandteil der Menschheitsgeschichte sind Märchen und Sagen. Während es sich bei Märchen um längere, ausgeschmückte Geschichten mit heldenhaften Charakteren handelt, geht es in den Sagen um “Menschen wie du und ich”, die sich anders verhalten, als es die Tradition vorschreibt, und die dadurch in eine ungewöhnliche Situation geraten. Jemand wäscht nachts Wäsche, ist nachts draußen unterwegs oder schaut zwischen den Ohren eines jaulenden Hundes durch. Als Folge begegnet er einer Elfe, dem Teufel oder dem Geist eines Toten.

Anders als Märchenerzähler geben sich Sagenerzähler daher auch ernst, konzentriert und sogar etwas besorgt. Wie kann man lachen, wenn es sich nicht um eine ausgedachte Geschichte, sondern um eine “wahre Begebenheit” handelt? Die meisten Erzähler wählen Sagen, mit denen sie sich identifizieren können. Früher glaubten sowohl die Erzähler als auch die Zuhörer fest daran, dass das Erzählte wirklich Nachbarn, Bekannten oder Menschen aus anderen Dörfern zugestoßen war. Sagen wurden nicht nur zur Unterhaltung erzählt, sondern auch, um Menschen aufzuzeigen, wie sich übernatürliche Wesen verhalten und was man macht, wenn man ihnen begegnet. Diese Funktion war zu den Zeiten, in denen Sagen entstanden, natürlich weitaus wichtiger und bestimmte den Aufbau, den Bezug zur Realität und somit auch die Wirkung auf den Zuhörer.

In Märchen werden Begebenheiten so beschrieben, dass sie fantastisch, ungewöhnlich oder magisch wirken. Sagen dagegen weisen immer Elemente auf, die sie mit dem Alltag verbinden. Daher haben sie auch keine formelhaften Anfangs- oder Schlusssätze, die beim Märchen dazu dienen, Vorstellung und Realität voneinander abzugrenzen. Sagen beginnen mit einfachen, gewöhnlichen Beschreibungen des Alltagslebens. “Eine alte Frau hatte Flachs zu spinnen. Sie spann und spann, bis sie keine Lust mehr hatte, doch der Haufen nahm einfach nicht ab …” So der Anfang der Sage “Die spinnenden Göttinnen”. Auch Wortschatz und Erzählweise sind der Alltagssprache entnommen. Gerade weil der Zuhörer an die Realität der dargestellten Szene glaubt, rufen die auftretenden übernatürlichen Wesen größeren Respekt oder Angst hervor – besonders, wenn klar wird, dass sie gegen den Menschen handeln oder gar seinen Tod herbeiführen können. So entsteht auch in der Sage “Die spinnenden Göttinnen” eine unterschwellige Bedrohung, als die alte Frau die Göttinnen bittet, für sie den Flachs zu spinnen, ohne die Konsequenzen zu überschauen. Das größte Spannungsmoment der Sagen liegt immer im Konflikt zwischen Menschen und übernatürlichen Wesen.

Der Realitätsbezug wird durch Ort und Zeit der Handlung noch verstärkt. Schauplätze stammen aus dem direkten Umfeld der Zuhörer (vor dem Haus, am Fluss oder im Wald, auf dem Feld, in der Scheune), und die Sage spielt nicht wie ein Märchen “vor langer Zeit”, sondern in der unmittelbaren Vergangenheit – gestern, vorgestern, letztes Jahr. Und selbst, wenn es einmal “früher” heißt, wird impliziert, dass es nicht so lange her sein kann, wenn sich der Erzähler noch so gut daran erinnert.

Obwohl Schauplatz und Zeit so real wie möglich gewählt werden, können sie doch ungewöhnlich sein. Ein übernatürliches Wesen erscheint einem normalerweise nicht im eigenen Haus, sondern an einem markanten Ort im Wald, nahe einem Friedhof, in einer freistehenden Scheune und oft spät in der Nacht. Auch dies erhöht den Realitätsbezug, bestärkt es doch die Erwartung der Zuhörer, wo sich solche Wesen aufhalten. Der so entstehende Gruseleffekt trug ebenso zur Beliebtheit der Sagen bei wie die Tatsache, dass sich jeder mit den vorkommenden menschlichen Charakteren identifizieren konnte – Bauern, Bauersfrauen, Knechte und Mägde, Schäfer und Hütejungen. Auch sind die Charaktereigenschaften nicht so stereotyp verteilt wie im Märchen, wo das Waisenkind immer gut und die Stiefmutter immer böse ist. In Sagen kann der Bauer einmal reich und einmal arm sein, freigiebig oder geizig, mutig oder feige, schlau oder naiv, wobei die Sympathien der Zuhörer fast immer den Armen, Bescheidenen und Klugen gehören. Doch die Begegnung mit einem übernatürlichen Wesen bringt oft eine einschneidende Veränderung mit sich – die Folgen reichen von Überraschung über Wahnsinn und Krankheit bis zum Tod.

Instrumentalmusik

Die traditionellen litauischen Musikinstrumente werden nach der Erzeugung und Art ihrer Klänge unterschieden.

Selbstklinger” (Idiophone): Glocken und Klanghölzer wie dzingulis, kleketas, terkšlė, tabalai und skrabalai. Idiophone unterscheiden sich von anderen Instrumenten darin, dass sie eine eigenständige Funktion im Alltag hatten.

Fellklinger” (Membranophone): Trommeln und trommelähnliche Instrumente wie būgnas und būgnelis

Saitenklinger” (Chordophone): Saiteninstrumente wie kanklės und puslinė

Luftklinger” (Aerophone): Blasinstrumente wie skudučiai, vilioklis, švilpukas, molinukas, lamzdelis, švilpa, tošelė, ubikas, birbynė, medžioklės ragas, jaučio ragas, ožragis, žieves trimitas, kerdžiaus trimitas, ragai und daudytės

Neben den traditionellen Musikinstrumenten gibt es noch andere Gegenstände, die im Alltag oder bei Feiern zur Klangerzeugung genutzt wurden. Durch die Vielzahl der traditionellen und importierten Musikinstrumente entstanden in Litauen auch viele Orchester.

Tänze

Volkstänze sind ein Teil der Volkskunst, denn in ihnen wurden durch rhythmische Bewegungen charakteristische, von Gesang oder Instrumentalmusik begleitete Bilder geschaffen. Wie andere Bereiche der Volkskunst sind Volkstänze immer eng mit der Lebensart, der Arbeit und den Bräuchen einer Nation verbunden. Schon seit Urzeiten wurde bei wichtigen Ereignissen im Leben getanzt, und so spiegeln sich auch die Charaktereigenschaften und Sitten der Litauer in ihren Tänzen wider.

Tanzfiguren bei Volkstänzen (c) llkc.lt

Tanzfiguren bei Volkstänzen (c) llkc.lt

Jede Bewegung und jeder Schritt erfüllen einen Zweck, indem sie etwas bedeuten oder zeigen. Selbst kleinste Stimmungswechsel und nuancierte Gefühle können so ausgedrückt werden. Volkstänze unterliegen aber auch äußeren Einflüssen wie den geographischen Gegebenheiten, der Kleidung, dem Verhältnis zu anderen Nationen, den besonderen Eigenheiten eines Volkes usw. Außerdem unterscheiden sich Tänze dadurch, ob sie von Männern oder Frauen erdacht wurden.

Litauen war hauptsächlich eine Agrarnation, daher reflektiert die Volkskunst die Lebensart der Bauern. Ruhige Melodien, ein gleichmäßiger Rhythmus und ein gemäßigtes Tempo bestimmen die Lieder und Tänze. Selbst in Liedern über historische Kriege geht es nie um die Schlacht selbst, und es sind keine Kriegstänze überliefert. Auch Jagdtänze kennt man heute nicht mehr; es finden sich nicht einmal einzelne Elemente, die auf diese Themen hinweisen, in anderen Tänzen.

Da die Volkskunst überwiegend von Frauen entwickelt und weitergegeben wurde, reflektieren die Tänze vor allem weibliche Themen (wie zum Beispiel Arbeiten, die nur von Frauen verrichtet wurden). Dies beeinflusste auch die Choreografien – angefangen damit, dass sie oft aus einfachen Schritten bestehen, weil die Frauen lange Röcke trugen.

Litauische-Tanz-Geschichte
Den ersten schriftlichen Hinweis auf baltische Musik findet man gegen Ende des 9. Jahrhunderts.
Der angelsächsische Reisende und Händler Wulfstan berichtete, dass die Balten bei Beerdigungen Musik spielten.

Die verschiedenen Tanzformen
Litauische Volkstänze lassen sich in vier Gruppen einteilen:
polyfonische Gesangstänze, Ring- oder Kreistänze, Tanzspiele und freie Tänze.

Volkstanz auf der Bühne
Heute muss man beim Begriff “Volkstanz” zwischen den ursprünglichen
und den für die Bühne geschaffenen Formen unterscheiden.

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