Die Litauer sind keine besonderen Schleckermäuler. Gebäck und Süßigkeiten kommen nicht täglich auf den Tisch. Trotzdem will jede Hausfrau die Familie an Festtagen und zu besonderen Gelegenheiten mit viel Phantasie verwöhnen. Früher wurden zu Festtagen und Hochzeiten viele verschiedene Kuchen, Kekse und süße Rouladen gebacken. Die Tische waren übervoll mit hübsch dekorierten Leckereien. Auf Hochzeiten richteten sich alle Augen auf den »Karvojus«, eine riesige Hochzeitstorte, dekoriert mit Vögeln und anderen Tieren aus Teig. Früher backten die Hausfrauen entweder alle Kuchen selbst, oder eine im Dorf für ihre Backkünste bekannte Person wurde angestellt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen viele neue Speisen nach Litauen. Unter anderem aus Deutschland der berühmte Baumkuchen, der heute bei keinem festlichen Anlass fehlen darf.
Heute stehen den Hausfrauen und Hobbybäckern viele feine Rezepte zur Verfügung. Die beliebtesten Backwaren werden jedoch meist auf Basis traditioneller und neuer, weniger traditioneller Rezepte gewerblich hergestellt.
Natürlich findet hausgemachtes Gebäck noch immer den größten Zuspruch. Deshalb bemühen sich die Hausbäcker um viel Phantasie bei der Kreation von Rezepten, die den Gaumen von Familie und Freunden erfreuen.

HOCHZEITSTORTE
Svocios karvojus

1 ½ kg Mehl
1 ½ Tassen Milch
150 g Hefe
10 Eigelb
400 g Butter
400 g Zucker
3 Tassen Rosinen
1 Päckchen Vanillezucker
Salz

Für die Glasur:

3 Eiweiß
3 Tassen Puderzucker

Milch aufwärmen und mit Hefe, 1 Tasse Zucker und 1/3 des Mehls verrühren. An der Wärme aufgehen lassen. Eigelbe mit restlichem Zucker und Vanillezucker verquirlen, bis sie blassgelb werden, und zum Vorteig geben. Gut verrühren. Zerlassene, abgekühlte Butter und restliches Mehl und 1 Prise Salz hinzufügen. Teig kneten, bis sich kleine Bläschen bilden. Rosinen zugeben und gut in den Teig einkneten. Teig zugedeckt an der Wärme 1–1 ½ Stunden aufgehen lassen. Aus ¾ des Teigs ein Rund formen, auf ein Backblech legen und nochmals aufgehen lassen. Aus dem restlichen Teig einen Zopf machen und um das Teigrund anordnen. In die Oberfläche mit einem Glas Kreise eindrücken und eine größere Menge in Eiweiß getauchter Holzzahnstocher stecken. Bei 200 Grad ca. ½ Stunde im Ofen backen. Die fertige Torte glasieren, die Zahnstocher entfernen und an deren Stelle aus Teig mit Puderzucker bestreute oder glasierte gebackene Vögel und Sterne platzieren. Kurz vor der Abfahrt zur Hochzeit Rautenzweige und andere Blumen in die übrigen Löcher stecken. Diese Torte ist ein wichtiger Bestandteil des Hochzeitsrituals.

LEBKUCHENPILZE
Meduoliniai grybukai

½ kg Mehl
2 Eigelb
1 Ei
50 g Butter
200 g Honig
200 g Zucker
1 TL Natron
2 EL saure Sahne
2 TL Gewürze

Für die Glasur
20 g Puderzucker
1 Eiweiß
Saft ½ Zitrone
1 TL Kokospulver

Zucker in Bratpfanne dunkelbraun rösten. Aus allen Zutaten einen Teig bereiten. Der Teig sollte ziemlich fest sein. Teig kühl stellen und ruhen lassen. Teig in zwei Hälften teilen. Aus einer Hälfte Pilzhüte formen – nussgroße runde Stücke mit einer Vertiefung auf einer Seite. Pilzhüte mit der Vertiefung nach unten auf ein Backblech legen. Aus der anderen Hälfte die Stiele formen: Fingerdicke, ca. 4 cm lange Stücke rollen. Die Stiele neben die Hüte legen und bei 160 Grad 25–30 Minuten im Ofen backen. Für die Glasur Eiweiß mit Puderzucker und Zitronensaft verquirlen. Die fertigen Stiele mit der Glasur in die Pilzhüte kleben und die Stiele glasieren. Kokospulver zur restlichen Glasur geben, gut mischen und die Hüte glasieren. Die glasierten Lebkuchenpilze in warmen Ofen legen und die Glasur trocknen.

HEILIGABEND-KEKSE
Kuciukai

½ kg Mehl
1 Tasse Milch
50 g Öl
20 g Hefe
2 EL Mohnsamen
100 g Zucker
Salz

Hefe mit Zucker mischen und in warmer Milch auflösen. Die Hälfte des Mehls zugeben, gut verrühren. Vorteig mit Mehl bestreuen und und an der Wärme 1 Stunde aufgehen lassen. Teig gut rühren und restliches Mehl, Öl und überbrühte Mohnsamen hinzufügen. Gut mischen und ca. 30 Minuten kneten, bis er nicht mehr an den Händen klebt. Nochmals 1 Stunde an der Wärme aufgehen lassen. Teig zu 1 cm dicken Würsten ausrollen und in gleich lange Stücke schneiden. Teigstücke auf ein mit Mehl bestreutes Blech legen und bei 160 Grad goldbraun backen. Diese Kekse werden für das Abendessen an Heiligabend gebacken und mit Mohnmilch gegessen.

ZWEIGLEIN
Žagareliai

½ kg Mehl
100 g Butter
6 Eigelb
2 Eier
30 g Zucker
1 Tasse saure Sahne
30 ml Rum
Vanillezucker
Öl zum Frittieren
150 g Puderzucker

Eigelbe und 2 Eier mit Zucker zu einer dicklichen, zitronenfarbenen Mischung verquirlen. Mehl zu den Eiern sieben, saure Sahne, Vanillezucker und Rum zufügen. Gut durchkneten und den Teig auf einem Brett mit dem Nudelholz schlagen und dabei den Teig immer wieder nach innen falten, bis er Blasen zeigt. Je luftiger der Teig ist, desto leichter werden die Zweige. Teig für einige Stunden in den Kühlschrank stellen. Dünn auswallen und und in 10 cm lange und 2 cm breite Streifen schneiden. In der Mitte einen Schlitz machen und ein Ende durchstecken. In tiefer Pfanne oder Fritteuse Öl erhitzen und 2 Scheiben rohe Kartoffeln dazugeben, damit das Öl nicht schäumt. Wenn der ins Öl gelegte Zweig schnell an die Oberfläche steigt, ist die Öltemperatur richtig. Die Zweige von beiden Seiten goldgelb braten und auf Küchentüchern trocknen lassen. Noch heiß mit Puderzucker bestreuen.

MOOSBEERENPUDDING
Spanguolių drebuciai

2 Tassen Moosbeeren
150 g Zucker
1 Tasse Kartoffelstärke
2 Stangen Zimt
4 Nelken

Moosbeeren in einen Topf geben. Gut deckend Wasser zugeben. Zimt und Nelken hinzufügen und erhitzen, bis die Moosbeeren zu zerfallen beginnen. Vom Feuer nehmen und in Mixer geben. 1 Liter Saft und Fruchtfleisch sollten sich bilden. Saft und Fruchtfleisch in den Topf zurückgeben, zuckern. Stärke in etwas abgekühltem Moosbeerensaft auflösen und zu Saft und Fruchtfleisch geben. Aufkochen und unter ständigem Rühren köcheln, bis die Masse durchsichtig wird. Heißen Pudding in Glasschälchen geben und in den Kühlschrank stellen, bis er fest wird.

(c) Text und Rezepte Verlag baltos lankos

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